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Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896 : amtlicher Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung / hrsg. von dem Arbeitsausschuss der Deutschen Kolonial-Ausstellung ... Red.: Gustav Meinecke ... Zeichn.: Rudolf Hellgrewe
Entstehung
Seite
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Innern in den Stationen: Bukoba, Kilimatinde, Kilossa, Kisaki, Langenburg, Marangu, Masinde, Moschi, Mpwapwa, Muanza und Tabora. An der Küste ver­mitteln den Postverkehr die Reichsdampfer und die Gouvernementsschiffe, zwischen Nachbarorten bestehen Botenposten. Letztere sorgen auch für die Verbindung von Dar-es-Salaam mit dem Innern. An der Spitze der Postverwaltung Ostafrikas steht ein Postinspektor; ihm sind ein Ober-Postsekretär und zwölf Post- und Tele­graphenbeamte aus Deutschland nebst dem nötigen farbigen Personal beigegeben. Es wird beabsichtigt, für Ostafrika eine Behörde nach Art der deutschen Ober-Postdirektionen zu errichten.

In Kamerun befinden sich vier Postagenturen zu Kamerun, Victoria, Bibundi und Kribi. Es ist hier nur ein weisser Postbeamter thätig, dem farbige Angestellte zur Seite stehen. Zur Aushilfe werden Gouvernements­beamte und Privatleute herangezogen. In Togo giebt es zwei Postagenturen: Klein-Popo und Lome. Der Verkehr zwischen ihnen sowie mit der englischen Goldküste und Dahome wird durch regelmässige Botenposten besorgt. Bei der lebhaften Benutzung der Post sind zwei weisse und mehrere farbige Beamte nötig.

In Südwestafrika konnte erst 1895 nach Be­ruhigung des Landes mit der Einrichtung des Post­dienstes begonnen werden. Es bestehen hier jetzt neun Agenturen: Windhoek, Otjimbingue, Omaruru, Swakop- mund, Okahandja, Gibeon, Keetmanshoop, Liideritz- bucht und Warmbad. Bei den grossen Entfernungen und dem Wassermangel ist hier die Verbindung der Aemter unter einander sehr schwierig. Boten zu Fuss und Pferd sind nur an wenigen Stellen und ausnahms­weise verwendbar; in der Regel müssen die langsamen Ochsenwagen benutzt werden. Es wird hier jetzt auch Einführung des Postanweisungverkehrs in Erwägung gezogen.

Auch für die Siidsee besteht ein geregelter Post­dienst. Es haben Postämter Friedrich Wilhelmshafen, Stephansort, Herbertshöhe und Matupi, welche die Reichspostdampfer in achtwöchentlichen Zwischenräumen unter einander und mit Singapore verbinden. Ferner besteht in Jaluit eine Postanstalt, die auf dem Weg über die Karolinen und Philippinen mit Deutschland in Verbindung steht.

Der Postverkehr zwischen Deutschland und seinen Kolonien hatte in den Jahren 1892 und 1895 folgenden Umfang.

Es wurden befördert:

1. an Briefen, Karten, Drucksachen und Warenproben

nach dem Reichspostgebiet aus den Schutzgebieten in

1892 1895

Afrika ... 38 390 Stück 47 490 Stück, Südsee . . 2 070 » 5 620 »

aus dem Reichspostgebiet nach den Schutzgebieten in

1892 1895

Afrika . . . 89190 Stück 159320 Stück,

Südsee . . 2 080 » 7 2 5 ° »

im Durchgangsverkehr durch das Reichspostgebiet nach den Schutzgebieten in

1892 1895

Afrika ... 6 050 Stück 5 900 Stück,

Südsee ... 160 » »

2. an Paketen und Barsendungen

nach dem Reichspostgebiet aus den Schutzgebieten in 1892 1895

Afrika 393 Stück 1420 kg 730 Stück 2710 kg,

Südsee 39 » 106 » 340 »

aus dem Reichspostgebiet nach den Schutzgebieten in 1892 1895

Afrika 1 267 Stück 4 790 kg 2 448 Stück 10 7 50 kg,

Südsee 52 » 200 » 131 » 59 ° »

im Durchgangsverkehr durch das Reichspostgebiet nach den Schutzgebieten in

1892 1S95

Afrika 300 Stück 1 000 kg 260 Stück 900 kg,

Siidsee 10 » 4° * 4 ° » 180 »

3. an Postanweisungen

nach dem Reichspostgebiet aus den Schutzgebieten in 1892 1895

Afrika 2 827 St. 499 586 Mk. 9 618 St. 1 459 571 Mk.,

Siidsee 71 » 10 578 » 228 » 26639 »

aus dem Reichspostgebiet nach den Schutzgebieten in 1892 1895

Afrika 733 Stck. 85 545 Mk. 3 157 Stck. 383 872 Mk.,

Siidsee 19 » 4463 » 7 » 942 »

im Durchgangsverkehr durch das Reichspostgebiet nach den Schutzgebieten in

1892 1895

Afrika 12 Stck. 1225 Mk. 41 Stck. 10932ML, Südsee 1 » 200 »

Die Gegenstände der kolonialen Aus- und Einfuhr.

Als Deutschland seine heutigen Schutzgebiete erwarb, war dort von Plantagenbau oder regelmässiger Boden­bestellung und Ausbeutung der Naturprodukte nirgends die Rede. Westafrika führte in der Hauptsache nur Palmkerne, Palmöl und etwas Kautschuk, Ostafrika Elfen­bein, Kopal und etwas Getreide sowie Vieh aus; der Handel der Siidsee beschränkte sich auf Kopra, Tre­pang und etwas Schildpatt. In kolonialen Kreisen bestand nirgends ein Zweifel, dass ohne Erziehung der Eingeborenen zu regelmässiger Arbeit und zu mehr Bedürfnissen an einen nennenswerten Absatz europäischer und insbesondere deutscher gewerblicher Erzeugnisse in den Schutzgebieten nicht zu denken