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Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896 : amtlicher Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung / hrsg. von dem Arbeitsausschuss der Deutschen Kolonial-Ausstellung ... Red.: Gustav Meinecke ... Zeichn.: Rudolf Hellgrewe
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Ein dritter Schritt in der bezeichnten Richtung war die Einrichtung von Kabeln, welche Kamerun und Ostafrika mit den grossen Telegraphenlinien verknüpften, die Herstellung einer Landlinie in Togo zu demselben Zwecke, sowie noch bedeutend längerer Strecken in Ostafrika zur Verbindung der Hauptstadt mit den anderen Küstenplätzen. In dieser Hinsicht bleibt, so nützlich auch das Geschehene gewesen ist, noch viel zu thun übrig. Zunächst bedürfen sämtliche Schutz­gebiete in ihrem Innern telegraphischer Verbindung des Regierungssitzes mit den wichtigsten Stationen. Das erfordert sowohl das Interesse des Handels wie das der Verwaltung. Ferner erscheint ein Anschluss von Südwestafrika und den Südseekolonien an die grossen Kabel des Weltverkehrs auf die Dauer un­erlässlich. Ohne eine solche Massnahme ist in der Gegenwart, wo Handel und Verkehr nicht mehr gut mit monatelangen Pausen zwischen Aufträgen und Ant­worten rechnen können, an eine erfolgreiche Arbeit in jenen Gebieten schwer zu denken. Für noch weitere Zukunft entsteht die Frage, ob die wirtschaftlichen und politischen Interessen Deutschlands überhaupt für die Zukunft damit in Einklang zu bringen sein werden, dass alle Kabel nach anderen Weltteilen sich in fremden, besonders englischen, Händen befinden. Schon heute entstehen aus dieser Sachlage oft arge Bedenklich­keiten. Man kann kaum erwarten, dass die fremden Kabelbesitzer für die P'olge Nachrichten befördern werden, die ihren Interessen oft zuwiderlaufen. Anderer­seits sind die Kosten der Legung und Erhaltung solcher unterseeischer Kabel so gross, dass es sehr fraglich ist, ob Deutschland bald in der Lage sein wird, eine neue derartige Last zu übernehmen. Frankreich hat neuer­dings begonnen, sich vom englischen Kabelmonopol zu befreien und durch eigene Leitungen mit den wichtigsten Ländern zu verbinden. Vielleicht führt sein Beispiel mit der Zeit Deutschland zur Nach­ahmung, wenn nicht etwa eines Tages ein Abkommen der Mächte zu stände kommt, welches alle Kabel einer zuverlässigen internationalen Verwaltung unterstellt und für neutral erklärt. Den ärgsten zu fürchtenden Miss­ständen würde dadurch wenigstens abgeholfen. Ein erster Schritt zur Schaffung eigener Kabel ist unver­muteterweise ganz vor kurzem von deutscher Seite geschehen. Die Reichspost hat ein direktes Kabel von der deutschen Nordseeküste nach Vigo in Spanien gelegt. Leider zeigt sich aber angeblich seine Instandhaltung recht schwierig, da Deutschland noch keine eigenen Kabelschiffe besitzt.

Die bei der Kolonialpolitik thätigen Kräfte.

Als Fürst Bismarck die ersten kolonialen Erwer­bungen vollzog, stellte er als leitenden Grundsatz für sein Vorgehen die Regel auf: »Die Flagge folgt dem

Handel.« Er wollte zuerst weder von Einrichtung eines Verwaltungsapparates, noch Errichtung von Garnisonen oder Verpflichtung des Reichs zum Schutz der Kolonisten in Kriegen etwas wissen. Er erklärte am 26. Juni 18.84 > m Reichstag: »Unsere Absicht istnicht, Provinzen zu gründen, sondern kaufmännische Unternehmungen, aber in der höchsten Entwicklung auch solche, die sich eine Sou- veränetät, eine schliesslich dem Deutschen Reich lehnbar bleibende, unter seinerProtektion stehende kaufmännische Souveränität erwerben, zu schützen in ihrer freien Ent­wicklung sowohl gegen die Angriffe aus der unmittel­baren Nachbarschaft, als auch gegen Bedrückung und Schädigung von seiten anderer europäischer Mächte.« Er lehnte ein Vorgehen wie das in Frankreich übliche, dass die Regierung ein Land annektiere und dann in ihm Handel und Wandel ihrerseits grossziehe, als ver­fehlt ab. Ganz Deutschland hat diesen Ansichten zu­gejauchzt und Bismarck deswegen gefeiert. Umsomehr ist es ihm von manchen Seiten verdacht worden, als er sich zur Uebernahme der Kolonisation Ost- und Siid- westafrikas entschloss, wo Bedingungen, wie die von ihm als nötig bezeichneten, nicht vorhanden waren und alles vom Reiche erst geschaffen werden musste. Trotz des Beifalls, den der grosse Kanzler mit seiner kolonial­politischen Theorie geerntet hat, erweist sie sich in­dessen bei näherer Prüfung doch nicht als ganz stich­haltig. Es sind in der kolonialen Geschichte keine Bei­spiele vorhanden, wo grosse überseeische Reiche auf dem von Bismarck ins Auge gefassten Wege entstanden wären. Als die Portugiesen ihre Expeditionen nach Indien begannen und dort Plätze eroberten, besassen sie daselbst noch keinerlei Handelsinteressen. Noch weniger waren solche spanischerseits in Amerika zu Beginn der dortigen Kolonisation vorhanden. Hier mussten sogar erst alle Gegenstände für einen Ausfuhr­handel mühsam beschafft und das Land kultiviert werden. Nicht anders erging es den Engländern bei ihrer Fest­setzung in Nordamerika. Jahrzehnte hindurch besassen die dortigen Kolonien für Handel und Wirtschaft fast keinen Wert; alles wurde erst mühsam ins Leben gerufen. Bei den meisten trugen allerdings private Gesellschaften Kosten und Gefahr, bei einzelnen that es aber von Anfang an der Staat, und für alle musste er in ver­schiedener Hinsicht nicht unerhebliche allgemeine Auf­wendungen machen. Englands gesamte Politik wäre eine andere gewesen, wenn sie nicht stets den Vorteil der Kolonien im Auge gehabt hätte. Das Gesagte gilt von Frankreich, welchem Bismarck allein eine so kost­spielige und gewagte Kolonialpolitik zuschrieb, in nicht viel höherem Masse als von den anderen Staaten. Und auch bei Holland lässt sich kaum behaupten, dass seine koloniale Politik immer den Schutz schon vorhandener Handelsniederlassungen zum Ausgangspunkt gehabt hätte. Es hat in den meisten Fällen auch erst eine Art Landes­hoheit erworben und dann den Handel grossgezogen

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