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Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896 : amtlicher Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung / hrsg. von dem Arbeitsausschuss der Deutschen Kolonial-Ausstellung ... Red.: Gustav Meinecke ... Zeichn.: Rudolf Hellgrewe
Entstehung
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er kommerziell-wissen­schaftliche Teil der Aus­stellung, welcher in der soge­nannten »Araberstadt« untergebracht war, wurde durch eine hohe, dieKöpenickerLand- strasse tiberspannende Brücke erreicht. Der Name war nicht unpassend gewählt. In überraschend kurzer Zeit war hier eine Reihe von Bauten arabisch-indischen Stiles entstanden, welche dem Beschauer ein far­biges und lebhaftes Bild darboten. Die Gebäude waren nach einem einheitlichen künstlerischen Plane hergestellt, obwohl den Verhältnissen Rechnung getragen werden musste und ein strenger Stil nicht durch­führbar war. Neben arabischen Motiven waren daher auch indische und andere ver­wendet, aber der Gesamteindruck war durch­aus harmonisch und originell. Vom hohen Brücken­turm aus, der den tonnenförmigen Bastionen eines alten arabischen Forts auf Zanzibar nachgebildet war, schweifte der Blick mit Wohlgefallen über den mit weissen Bauten besetzten Platz, auf dem, wohlthuend für das Auge, das Grün des Rasens und der Palmen den Glanz der Gebäude unter­brach. Den Mittelpunkt bildete, weithin sichtbar, das Tropenhaus mit der Ausstellung des Aus­wärtigen Amts; an dasselbe reihten sich die anderen Gebäude, links die Kolonialhalle und die Maschinenhalle, rechts die wissenschaftliche Malle und, daran sich anschliessend, die Industrie­ll ud Exporthalle.

Ifhe wir nun unsere Wanderung antreten, möchten wir uns von vorn­herein gegen einen Vorwurf ver­wahren, der uns vielleicht von den Aus­stellern gemacht werden wird, welche bei der Beschreibung dieses Rundganges nicht namentlich aufgeführt werden. Die Liste der Aussteller am Schluss des Werkes wird alle umfassen, welche zu dem Gelingen des schönen Werkes beigetragen haben, während auf den nachfolgenden Seiten nur diejenigen Ausstellungen berücksichtigt werden können, welche ein grösseres koloniales Interesse be­anspruchen. Weiter zu gehen, ist schon mit Rücksicht auf die Einteilung des Werkes ganz unmöglich. Wir können uns auch um so eher kurz fassen, als eine genaue Er­klärung der verschiedenen Objekte, eine gute Darstellung der Verhältnisse und Thätigkeit der Gesellschaften noch später gegeben werden wird. Hier kann es sich nur darum handeln, ein all­gemeines Bild zu bieten.

Die Koloniallialle,

dem Mause eines reichen Inders nachgebildet, war der Ausstellung der Erwerbsgesellschaften und Missionen gewidmet. Mit üppiger Gold­ornamentik verziert und den Muschrabien ähn­lichen Erkern machte sie einen phantastischen und doch das ästhetische Gefühl befriedigenden Eindruck. Die Kolonialhalle zerfiel in mehrere Räume, deren Wände in freskoähnlicher Manier

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