s. Die natürlichen Grundlagen der Kultur.
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5. Die natürlichen Grunötcrgen öer KnLtur.
Da Togo nur ein kleiner Teil Westafrikas ist und durch Wanderungen der Menschen und Austausch der Natur- und Kulturprodukte von seiner weiteren Umgebung beständig beeinflußt wird, so ist es notwendig, sich in großen Zügen über die natürlichen Bedingungen der Kultur in Oberguinea und im Westsudan überhaupt zu orientieren.
Betrachten wir zunächst die Bewohnbarkeit dieses großen Gebietes. Unbewohnbar ist aus Mangel an Nahrungsmitteln und Wasser die Wüste. Nur die Übergangsgebiete zur Sahelregion kommen für Jäger und Sammler in Betracht. Periodisch unbewohnbar ist abseits der Flußläufe und lokalen Wasserplätze auch ein großer Teil der Sahclregion. Aber auch in den Steppen und Savannen des Sudans werden während der Trockenzeit größere und kleinere Regionen wegen des Wassermangels periodisch unbewohnbar, in Togo sogar bis in die nächste Nähe der Küste. Nur periodisch bewohnbar ist zum Teil auch die Ebene von Gurma und Grnssi, die sich während der Regenzeit in Sümpfe verwandelt.
Die gesundheitlichen Verhältnisse sind in dem ganzen großen Gebiet mit Ausnahme der Wüste und der Sahelregion, soweit sie trockene Steppe ist, nicht allzu günstig. Die Tropenkrankheiten sind allgemein verbreitet, am schlimmsten an der Küste.
An Naturprodukten, die dem Naturmenschen für den Lebensunterhalt, für Kleidung und Schmuck und bei weiterer Entwickelung für Industrie und Handel von Wert sein konnten, ist das Gebiet reich (s. Karte 5 auf der Tafel bei S. 10). Unter den Mineralien steht weitaus an erster Stelle das Sal z. Wie fast alle Tropenländer sind auch Oberguinea und der Sudan sehr arm an Salz, und man sucht das fehlende Kochsalz durch das aus Aschen gewonnene Pflanzensalz zu ersetzen. Daher sind alle Punkte, an denen sich Salz findet, von größter Wichtigkeit. Der Hauptsalzlieferant ist die Wüste, wo es teils in Salzpfannen, wie in Jdschil, teils in alten marinen Salzlagern, wie in Taudeni, auftritt. Aber auch an der Küste gewinnt man es; so wird z. B. während der Trockenzeit auf dem Boden der Lagunen von Kitta, also in unmittelbarer Nachbarschaft von Togo, das ausblühende Salz abgekratzt, und in Groß-Popo erhält man es durch Verdunsten von Seewasser. Gold tritt in einer breiten Zone vom oberen Senegal über das obere Nigergebiet und dem Schwarzen Volta hinweg bis zur Goldküste auf, und zwar in verschiedenen kristallinen Gesteinen. Lokal findet es sich auch auf der Jorubaschwelle. Da nun anstehendes Gestein von Naturvölkern schwer zu bearbeiten ist, so sind die alluvialen Goldseifen am wichtigsten, also die Region von Bambuk am oberen Senegal, die von Bure am oberen Niger, von Bonduku am Schwarzen Volta und schließlich die Goldküste. Auch in Liberia kommen Goldseifen vor, Togo hat wenig davon. Wichtig sind sür die Völker, die mit der Eisengewinnung vertraut sind, Eisenerze. Eine weite Verbreitung haben im ganzen Westsudan und in Oberguinea die zelligen Brauneisensteine des Laterits. Togo besitzt im Bassarilande und in Santrokofi sogar wertvolle Eisenerzlagerstätten.
An pflanzlichen Naturprodukten, die der Mensch gebrauchen kann, ist das Waldland am reichsten, z. B. an eßbaren Früchten und Knollen, ferner wildem Reis, Uams, Bananen, von denen allerdings nur das Mark eßbar ist, dann vor allem Ölpalmen und andere Bäume mit fettreichen Früchten. Von Genußmitteln kommen z. B. der Pfeffer, die Kolanuß, der Kaffeebaum, der Suppengewürzbaum wild vor. Das llbergangsgebiet verhält sich ganz ähnlich wie das Waldgebiet, und die Steppen und Savannen bieten