1. Geschichte öer Gntöeckung unö Wesihergreifung.
Dem an der Goldkiiste entlang fahrenden Reisenden erscheint das Land als eine waldige, bergige Küste, aber hinter dem Kap der Drei Spitzen wird die Waldbedeckung spärlicher und das Land niedriger, und hinter Akra beginnt eine Flachküste, die sich bis jenseit des Nigerdeltas erstreckt und erst am Kamerunberg ihr Ende erreicht. Auf dieser langen Strecke sieht man nichts weiter als einen niedrigen, mit Palmen und Gestrüpp bedeckten Landstreisen. Das ist die Sklavenküste, von der Togo einen Teil bildet.
Bereits im Jahre 1471 erreichten die Portugiesen s^22^ Oberguinea, bauten 1482 das Fort Elmina, und 1517 begann die regelmäßige Sklavenausfuhr. Im Jahre 1624 faßten die Holländer an der Goldküste festen Fuß und vertrieben die Portugiesen, erhielten aber neue Nachbarn in den Engländern und Dänen. Von 1683 bis 1707 hatte auch Brandenburg am Kap der Drei Spitzen mehrere Forts. Alle diese Kolonien lagen westlich der Togoküste; im Osten traf man in Widah die ersten Faktoreien, die Franzosen, Engländern und Holländern gehörten. Der Hauptexport bestand in Sklaven, und als im Jahre 1803 in den dänischen und 1807 in den englischen Kolonien der Sklavenhandel verboten wurde, sank die Bedeutung der Kolonien rapid. Schließlich verkauften die Dänen im Jahre 1850, die Holländer im Jahre 1871 ihre Besitzungen an England. Inzwischen aber hatte Frankreich seit 1851 im östlichen Oberguinea festen Fuß gefaßt und erwarb 1864 Kotonu und 1882 Porto Novo. Die Togoküste blieb herrenlos.
Um die hohen Einfuhrzölle an der englischen Goldküste zu vermeiden, gründeten deutsche Kaufleute Faktoreien in Anechö oder Klein-Popo, wo ihnen der Häuptling Kwa- djowi gegen ein Jahresgehalt Handelsfreiheit gestattete f25^j. Nach seinem Tode, im Jahre 1883, entstanden Thronstreitigkeiten, bei denen ein Sierra-Leone-Mann, William Lawson, einen Verwandten zu seinein Nachfolger machen und Anecho in englische Hände bringen wollte. Die deutschen Faktoreien wurden bei den entstandenen Unruhen sogar bedroht, aber zur rechten Zeit erschien Kapitän Stubenrauch mit der „Sophie", stellte die Ruhe wieder her und bewirkte eine neue Anerkennung der Handelsverträge. Kaum aber war die „Sophie" abgedampft, als die Hetze von neuem begann. Ein Kaufmann ritt daher eilends nach Groß-Popo und benachrichtigte Kapitän Stubenrauch. Dieser kehrte zurück, landete am 5. Februar 1884 hundert Mann und nahm William Lawson und fünf seiner Freunde als Geiseln gefangen. Lawson wurde als englischer Untertan nach Lagos gebracht, die anderen aber nach Deutschland mitgenommen. In Anecho trat trotzdem die Ruhe nicht ein; der englische Kapitän Firminger hetzte die Eingebornen gegen die Deutschen auf und bot letzteren gleichzeitig großmütig zu ihrem Schutz eine englische Garnison an. Dieses freundliche Angebot wurde indes abgelehnt, und eine Anzahl Häuptlinge schickte an den deutschen
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