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Neu-Mecklenburg (Bismarck-Archipel) : d. Küste von Umuddu bis Kap St. Georg ; Forschungsergebnisse bei d. Vermessungsfahrten von S. M. S. Möwe im Jahre 1904 ; mit 10 Taf., 3 Noten-Beil., zahlr. Abb. / hrsg. von Emil Stephan und Fritz Graebner
Entstehung
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N eu-Mecklenburg.

Missionare seine Ursprünglichkeit schon am meisten eingebüßt. Trotzdem be­weisen die Stickereien (Taf. I), die Bootaufsätze (Taf. V3 und S. 75) und die Verzierung der Bögen und des Bohrers die künstlerische Verwandschaft mit Kandaß und Pugusch. Plastische Erzeugnisse und Tauzmasken wurden in Laur nicht mehr gefunden.

Alle drei Landschaften haben einen gemeinsamen Kunststil: einfache grade oder krumme Linien, Spiralen, Kreise, Winkel, Dreiecke und Vierecke, meist einfach und übersichtlich nebeneinander gesetzt und lebhaft in Schwarz, Weiß, Rot oder auch Gelb gehalten (Taf. IV und IX). Pugusch unterscheidet sich von Kandaß nur durch seinen größeren Formenreichtum.

Gemeinsam ist ferner, daß jedes scheinbare Ornament von den Eingeborenen als Darstellung eines konkreten Dinges anges dien und dementsprechend benannt wird, streng genommen also gar keinOrnament ist. Eine große Anzahl Bei­spiele finden sich auf den Erläuterungen der Tafeln. Die weitere Frage, ob die von den Eingeborenen angegebenen Bedeutungen künstlerisch beabsichtigt oder erst später in fertigeOrnamente hineingesehen worden sind, ist sehr schwierig und nur in größerem Zusammenhänge zu beantworten. Aus diesem Grunde habe ich die bildende Kunst von Süd-Xeu-Mecklenburg und einigen anderen Land­schaften in einer besonderen, schon mehrfach erwähnten Schrift abgehandelt und kann mich hier damit begnügen, auf diese hinzuweisen.

Sprache. *)

Sprachkenntnis ist der Schlüssel zum Verständnis eines Volkes. Erst wenn man mit ihm in seiner Sprache redet, wird man von dom Eingeborenen Auskunft über sein tieferes Denken und Fühlen, über Brauch und Sitte, besonders über religiöse Fragen erhoffen dürfen. Aber die Erwerbung dieser Sprachkenntnis ist schwer und fordert Zeit. Ein gewisser Vokabelschatz, der vielleicht für dio gewöhnlichen Bedürfnisse des täglichen Lebens ausreicht, läßt sich ja in nicht zu langer Zeit merken. Aber eine Beherrschung der Sprache, die auch nur im allgemeinen Irrtum oder Mißverständnis ausschließt, ist nur durch lange Übung zu gewinnen. Eine genügende Zahl ganzer Satzreihen und damit einen Ein­blick in den grammatischen Bau der Sprache bekommt man natürlich überhaupt erst, wenn man sich mit den Leuten einigermaßen verständigen kann. Sehr er­leichtert würde die Erlernung einer Sprache durch Kenntnis eines verwandten Idioms; und wenn man bedenkt, wie wichtig für jeden, der in die Kolonien

') Zur Vergleichung herangezogen sind für dies nächste Kapitel: Brown a. DanksDictionary and Grammar of the Duke of York-Island, New Britain Group. BleyGrundzüge der Grammatik der Neu-Pommerschen Sprache an der Nordküste der Gazelle-Halbinsel. Z. f. Afrik. u. Ocean. Spr. III, p. 85 ff. BleyWörterbuch der Neu-Pommerschen Sprache. CodringtonThe Melanesian languages. W. SchmidtDie sprachlichen Verhältnisse von Deutsch-Neu-Guinea in Z. f. Afrik. u. Ocean. Spr. V, p. 334 ff. S. H. KayComparative dictionary of British New Guinea". Kibbe p. 187 ff. S. II. Ray in Z. f. Afrik. u. Ocean. Spr. Bd. I, p. 334 ff. SchmieleDie Insel Nissan. Mitt. v. Forscliungsr. u, Geh a, d. D. Schutzgeb. IV (1891) p. 110 ff. Auf Einzel­zitate habe ich verzichtet.