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Neu-Mecklenburg (Bismarck-Archipel) : d. Küste von Umuddu bis Kap St. Georg ; Forschungsergebnisse bei d. Vermessungsfahrten von S. M. S. Möwe im Jahre 1904 ; mit 10 Taf., 3 Noten-Beil., zahlr. Abb. / hrsg. von Emil Stephan und Fritz Graebner
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Bildende Kunst.

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III. Dio hier mitgeteilten Befunde führten zu einer Reihe von Problemen, an deren Lösung m. E. die Ethnologen und Musikforscher gleichermaßen inter­essiert sind. Nur auf Grund eines viel reicheren Materials, als es uns bisher zu Gebote steht, können die Untersuchungen mit Aussicht auf Erfolg fortgeführt werden. Die Punkte, auf die bei der Sammlung dieses Materials besonders zu achten sein wird, mögen hier noch einmal in Kürze zusammengestellt werden. 1 )

Bei der Erwerbung von Musikinstrumenten wären sorgfältige Beobachtungen über deren Herstellungs- und Abstimmungsweise anzustellen, eventuell genaue Erkundigungen einzuziehen über die Herkunft importierter Exemplare, über das Alter und das Ansehen, das die einzelnen Exemplare bei den Eingeborenen genießen. Die auf den Instrumenten verkörperten Tonreihen wären noch an Ort und Stelle phonographisch zu fixieren, und zwar würde es sich empfehlen, ein und dasselbe Instrument von verschiedenen Leuten spielen zu lassen. Eventuell wäre ferner zu ermitteln, wie die Exemplare nach dem Tou- system, den Gelegenheiten der Verwendung usw. zu gruppieren sind.

Die Originaltonhöhe jedes Phonogramms muß jedesmal durch Aufnahme eines Normaltones (Stimmpfeife) oder Beobachtung der Tourenzahl festgelegt worden. Auch von Gesangsmelodien wären gelegentlich zwei Aufnahmen zu machen und zwar von verschiedenen Sängern oder vom selben Sänger an verschiedenen Tagen.

Die Auswahl der vorzutragenden Musikstücke ist tunlichst den Eingeborenen zu überlassen; europäische Kriterien können niemals darüber entscheiden, was wert ist, aufgenommen zu werden.

Bildende Kunst.

Eine eben so wichtige Rolle wie Musik und Tanz spielt die bildende Kunst im Lehen der Neu-Mecklenhurger. Fast kein Gebrauchsgegenstand ist ohne künstlerischen Schmuck. In den Junggesellenhäusern von Kandaß und namentlich von Pugusch dienen geschnitzte Säulen als Träger (Taf. VII/VIII 18) und die Wände des Baumhauses in King waren bemalt. Dio Rogenkappen der Kinder werden von den Müttern in mannigfacher Art mit einfarbigen oder bunten Stickereien verziert (Taf. I 115). Von den Waffen erfreuen sich namentlich dio Bambusspeere einer künstlerischen Bearbeitung (S. 48), in Laur auch die als Waffe recht dürftigen Bögen (Abb. 42 S. 51). Geräte und Werkzeuge waren, abgesehen von einem Drillbohrer aus Laur (Abb. 44 S. 53) schmucklos. Den reichsten künstlerischen Schmuck weisen die Boote (Taf. IV und V) und die Ruder (Taf. VI) auf, nächstdem das Tanzgerät (Taf. IV, VIII und IX). Die phantasti­schen Schnitzereien und Masken des nördlichen Neu-Mecklenburg fehlen voll­kommen. Von künstlerischem Schmuck des eignen Körpers kommen Bemalung, Tatauierung und Ziernarben vor.

Von den einzelnen Landschaften steht Laur wie sonst so auch in künst­lerischer Beziehung etwas abseits. Allerdings hat es durch den Einfluß der

] ) Bezüglich der Handhabung des Phonographen auf Forschungsreisen vergleiche man: 0. Ahraham u. E. v. Hornbostel, Über die Bedeutung des Phonographen für vergleichende Musik­wissenschaft, Z. f, Ethnol. 36, 1904, Heft 2, S, 232 Anhang.