Notiz über die Musik der Bewohner von Süd-Neu-Mecklenburg.
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Klopfhölzer, Galipnußschnepper und ein „Blättel-Instrument“ spieleu'als Lockmittel mit zauberhafter Nebenbedeutung im Liebesieben eine Rolle und sind schon früher beschrieben. Ebenso sind ein beim Dukduk gebrauchtes Sch wirrholz und die Verwendung des Tritonshornes ’) bereits erwähnt. In gewissem Sinne gehören auch die verschiedenen Muschelglöckchen und Tanzrasseln (Taf. II/III 18—24) unter die Musikinstrumente.
In King wurden zwei Flöten * 2 ) erworben. Sie sind beide 45,5 cm lang, aus Bambus gefertigt, haben einen rundlichen Einschnitt als Mundloch, das von einer merkwürdig scharf begrenzten Ausbleichung der Rinde umgeben ist und am untern Rande zwei eingebrannte Stimmlöcher. Auf einer Flöte findet sich zwischen den Stimmlöchern eine rohe Brandmalerei. Eine Flöte aus Kalil 3 ) hat drei Stimmlöcher, deren Rand mit radial eingebrannten Strichen verziert ist. — Panpfeifen sind in allen drei Landschaften häufig. Ihr Aussehen und die verschiedenen Arten der Bindung sind aus Abb. 133 besser ersichtlich als aus einer Beschreibung. Leider habe ich mich zu erkundigen versäumt, wie die Flöten abgostimmt werden! Die Stimmung der Panpfeifen hat Hoboistenmaat Brüning an Ort und Stelle aufgenommen. Vom Standpunkte der vergleichenden Musikwissenschaft hat E. v. Hornbostel die Instrumente untersucht und ist zu nachstehenden höchst merkwürdigen Ergebnissen gelangt.
Notiz über die Musik der Bewohner von Süd-Neu-Mecklenburg
von Erich M. v. Hornbostel.
Die folgenden Zeilen beschränken sich auf eine kurze vorläufige Mitteilung des Befundes, den die Untersuchung der von Herrn Dr. Stephan gesammelten Panpfeifen und Phonogramme ergab, soweit er nicht ausschließlich für den Musikkundigen, sondern auch für den Ethnologen von Interesse sein könnte. 4 )
I. Außer den 9 Panpfeifen „Kaur“ der Stephan sehen Sammlung (jetzt im Besitz des Berliner Museums f. Völkerkunde, Inv.-Nr. VI. 24286 bis 24293; 24295) lagen mir noch 3 ebensolche Instrumente (VI. 1192 a bis 1192 c) von der Expedition des deutschen Kriegsschiffes Gazelle vor, das 1874 Lamas sa besucht hat. Die Pfeifen, die also sämtlich aus dem südlichen Teile von Neu-Mecklenburg stammen, bestehen aus einer Anzahl verschieden langer Bambusröhrchen, die, ihrer Länge nach geordnet, durch Ligaturen aus Rohr zusammengehalten werden. Das Bambusrohr ist so abgeschnitten, daß die
’) Für das Tritonshorn wurden folgende Namen ermittelt:
In Laur: tahurr In Puguscli: tull In Siassi: taure
„ ICandaß: turu „ JBarriai: taute „ St.Mathias: tauwi(ateba)
Die Onomatopoeie ist unverkennbar. Vielleicht handelt es sich um ein gemeinpolynesisclies Wort.
2 ) Berl. Sammlung VI 24 283 und 84. Flöten, und zwar ganz ähnliche, haben auch die Baining. Vgl. Foy Publ. Ethn. Mus. Dresden XIII p. 9, wo die Bezeichnung „Pfeife“ ungenau ist.
3 ) Berl. Sammlung VI. 23801. Die Flöte heißt in Laur tullal.
4 ) Eine ausführlichere Publikation über die Musik der Südsee-Insulaner hoffe ich demnächst folgen lassen zu können.
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