Tanz, Dichtung und Musik.
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Hälfte des Inhalts, trotzdem er schon in recht gesetzten Jahren stand. — Als
Lockmittel bei Tage dient das in Abh. 128 dargestellte Instrument. Der Mann nimmt es in die aneinandergelegten Hohlhände, bringt das Blatt dicht an die
ström gerät das Blatt in rasche Schwingungen und erzeugt einen ungemein schrillen und lauten Ton, der die Weiber von der Feldarbeit zu dem Verführer in den Wald treibt. 1 ) — Mit verschwindenden Ausnahmen sind alle geschlechts-
Kaufehe wenig oder gar nicht mitspricht.
Der Buschen (Abb. 129) wird dem Besitzer einer neugehauten Hütte als Glückwunschzauber überreicht, doch war über die damit verknüpften Vorstellungen nichts zu ermitteln.
Beim Kult spielen auch die Tanzmasken (Taf. IX) eine Rolle. 2 ) Sie heißen alle lorr = Schädel oder Kopf. Ein Tanz, wobei sie getragen wurden, fand nicht statt; zwei von den Masken (Nr. 1 und 4) wurden eigens zum Zweck des Vor-
Geist darstellen, der im Urwalde haust. Die außerordentlich phantastischen Masken (und Schnitzereien) des nördlichen Neu-Mecklenburg kommen im Süden nicht vor. Es bot sich Gelegenheit, zwei Tanzfeste 3 ) zu beobachten. Das erste wurde auf meine Bitte durch Palong Pulo in King improvisiert. Wir sollten uns am Abend dazu einfinden. Als wir gegen 8 Uhr ins Dorf kamen, war alles finster, aber auf Anrufen kamen Männer und Knaben (keine Weiher) aus den Hütten und begannen sich zu schmücken. Sie steckten sich einen Büschel (Abh. 27 S. 42) in den Gürtel und manche noch ein Faserbündel kar von einer Drymophleus-Palme. Weiteren Ausputz unterließ man. 10 Paare traten zum Tanze an, marschierten im Gleichschritt aus einem dunklen Wege auf den Platz vor dem Junggesellenhause und begannen mit lauter Stimme zu singen. Der Vorsänger hub an und die andern fielen ein. Einige trugen in den Händen die Rippen von Fiedern der Kokospalmenblätter, 4 ) andere Stäbchen mit aufgebundenen Hühnerfedern (nuivuwü). 5 ) Sie hüpften beim Singen im Takte von einem Fuße auf den andern 6 ) und streckten abwechselnd die Arme nach den Seiten und nach oben, 7 ) was manchmal aussah wie Bogenschießen, manchmal wie ängstliches Hinweisen oder auch wie Drohen oder Furcht einjagen. Sie
') l.ber ein ähnliches Lockmittel der Barriai s. 1. c. S. 208.
2 ) Über verwandte Formen vgl. Etlinogr. Stellung S. 172.
3 ) Die im ganzen Archipel gebrauchte Bezeichnung für die Tänze der Eingeborenen ist das häßliche Wort sing-sing. Über z. T. ganz ähnliche Tänze auf der Gazelle-Halbinsel vgl. Parkinson
„Im Bismarck-Archipel“ p. 13G. Pfeil p. 61 f. Hagen „Unter den Papuas“ p. 274.
5 ) noku na lainass. Der Weiberbesen (Abb. 112 S. 101) besteht daraus.
5 ) Auch die auf Taf. VII/VIII 16 abgebildete Holzfigur wird so verwendet.
°) turturinö. ’) manke.
Innenseite der Daumenballen und saugt heftig die Luft ein. Durch den Luft
reifen Leute verheiratet, die Liebeszauber werden also von Ehemännern gegen fremde Ehefrauen benutzt. Das legt die Vermutung nahe, daß sie der naive Ausdruck für die Berechtigung einer individuellen Neigung sind, die ja hei der
Tanz, Dichtung und Musik.
kaufes angefertigt. In King soll die Maske Nr. 3 beim tlangorr, einem Tanzfest zu Ehren der Sonne, auf den Kopf gestülpt werden. Nr. 2 soll einen bösen