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Neu-Mecklenburg (Bismarck-Archipel) : d. Küste von Umuddu bis Kap St. Georg ; Forschungsergebnisse bei d. Vermessungsfahrten von S. M. S. Möwe im Jahre 1904 ; mit 10 Taf., 3 Noten-Beil., zahlr. Abb. / hrsg. von Emil Stephan und Fritz Graebner
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Neu-Mecklenburg.

eilen. Der Schweinskiefer wird im Junggesellenhause aufgehängt.>) Die Gebeine des Toten werden entweder im Walde zerstreut 2 ) oder mitten im Dorfe begraben. Über das Grab legt man ohne bestimmte Anordnung einige Korallenblöcke, 3 ) Eine andere Art der Bestattung soll nach Tongilam folgende sein: Der Kopf wird abgeschnitten, der Körper in die See geworfen. Der Kopf wird in der Sonne getrocknet, die Haut entfernt und der Schädel in ein Schädelhaus im Innern gebracht, das 2 Tage von der Küste entfernt ist. Dort legen sie den Kopf hin, warten, warten, warten, warten 1 Monat, töten ihm Schweine, Hühner; diese und große Massen von Taro, Bananen, Kokosnüssen werden gekocht und bei einem großen Leichenschmaus mit tlangoro, Tanzfeierlichkeiten, vertilgt. Weiber und Kinder werden ebenso bestattet; für die Frau richtet der Mann das Totenfest her. Bei der Totenfeier wird die geschnitzte Figur Tafel VII/YIII 9 aufgestellt. Auf Lamassa lagen eine größere Anzahl Schädel und andere Gebeine 4 ) in einem ausgewaschenen Korallenfelsen dicht beim Dorfe. Diese Leute sollen vor Jahren alle zusammen einer Seuche erlegen sein. Von den beiden Särgen der Sammlung lag der eine bei King, der andere 3 ) auf Lambom am Strande und beide waren ohne Schwierigkeiten gegen 2 kleine Messer einzuhandeln. Der Totenkahn aus Lambom ist mit senkrechten roten Streifen verziert, die als die Zeichnung des Fisches tintabldn bezeichnet wurden. In Lambell sollen die Toten nach Angabe von Amboiwöss auf einem Holzstoße verbrannt werden.

Religion, Mythologie und Zauber.

Über Religion und Kult konnten weder Beobachtungen gemacht noch zu­verlässige Angaben erhalten werden. Nur jahrelanger Aufenthalt unter einem Stamme und inniges Vertrautsein mit seiner Sprache gestattet ein Eindringen in dieses schwierigste Gebiet der Ethnographie. Grade hier ist das ehrliche Ein­gestehen des Nichtwissens viel fruchtbarer als schlecht begründete Vermutungen,' die nur Verwirrung anrichten. Für Süd-Neumecklenburg ist nur so viel sicher, daß den mannigfaltigen Zaubereien und Festen der Glaube an mächtige Kräfte außerhalb des Menschen zu Grunde liegt, und daß Sonne und Mond im Kult eine Rolle spielen. Ebenso läßt sich bestimmt behaupten, daß die Küsten­bewohner ohne Fanatismus sind. Mit der Bildsäule Nr. 9 auf Taf. VIII ver­banden die Kinger irgendwelche religiöse Vorstellungen, Palong Pulo aber gab das von seinem Großvater geschnitzte Bildnis für ein Lendentuch, ein Messer und einige Stangen Tabak bereitwillig her, und die farbigen Arbeiter an Bord, die allerdings fast alle von anderen Inseln stammten, machten sich ohne Scheu darüber lustig. Das Christentum hat nur in einigen Orten der Landschaft Laur Eingang gefunden. 6 ) Ob den Eingeborenen das Wesen der christlichen Lehre

) S. S. 29. 2 ) Ein Schädel der Sammlung wurde bei King am Strande gefunden.

3 ) Uber z. T. verwandte Bestattungsgebräuche in den Nachbargebieten vgl. 178.

4 ) Befinden sich in der Berliner Sammlung. 5 ) Berliner Sammlung VI. 24342.

6 ) In ICalil befindet sich eine wesleyanische Kapelle. Die Gräber sind zu kleinen Fried­

höfen vereinigt und tragen einen flachen Aufbau von Kies und Mörtel, der einen schmucklosen liegenden Grabstein nachahmt.