Geburt und Totengebräuche.
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den Leuten von Kandaß und denen von Laur heftige Kämpfe stattgefunden. Darum hätten die dortigen Anwohner ihre Ortschaften an der Küste aufgegeben und sich im Gebirge angesiedelt. Der Grund zu den Fehden sei Kokosdiebstahl gewesen, der mit Totschlag vergolten worden sei, und dieser habe dann infolge von Blutrache zu Stammosfehde geführt. Auf die Frage, ob ihm der jetzige Zustand besser gefiele, antwortete er: Ja, jetzt ist es besser.
Geburt und Totengebräuche.
Da die Bevölkerung so gering und so wenig fruchtbar ist, sind Geburten ziemlich selten, und es war mir nicht möglich, einer Entbindung beizuwohnen. Nach Tompuans Angaben steht auf Lamassa die Kreißende mit gespreizten Beinen und hält sich an einem Querholz der Hüttenwand fest. Ein andres Weib
umschlingt ihre Hüften und massiert ihr den Leib, eine dritte nimmt das Kind
in Empfang und nabelt es mit einem Bambusmesser (Abb. 46 S. 53) ab. Dieselben Angaben wurden in Watpi gemacht.') In Kalil sollen die Weiber nach übereinstimmenden Aussagen liegend gebären * 2 ); das Abnabeln geschieht jetzt schon mit einem eisernen Messer. Das Gebären soll rasch und leicht von statten gehen. — Die Kinder 3 ) sind hei der Geburt fast weiß und sollen etwa
10 Monate die Brust bekommen. Die Wöchnerin steht sehr bald auf, ist aber,
und zwar aus Fürsorge für den Säugling, 1—2 Monate von der Feldarbeit befreit. In Matupi hängt man vor jeder Hütte, wo ein Kind geboren worden ist, eine Anzahl Glückwunschbuschen auf, die genau so aussehen wie der S. 124 abgebildete. In Neu-Mecklenburg war dies nicht der Fall, und es ließ sich auch nichts über Festgebräuche bei der Geburt ermitteln. — Menstruierende Frauen sind nach Tompuan 6 Tage tabu , doch ist dies nur Brauch, dessen Nichtbeachtung straffrei ist.
In Kalil scheinen die Totengebräuche unter dem Einfluß der Missionare nicht mehr ursprünglich zu sein, worauf schon dio Friedhöfe hinweisen. In Kandaß und Pugusch herrschen noch die alten Bräuche, 4 ) und in Watpi war ich Zeuge einer Bestattung. Manin aus King (Bild S. 4) bekam von einem chinesischen Händler, der sich vor kurzem bei Watpi seßbaft gemacht hatte, Dynamitpatronen zum Fischeschießen und verletzte sich dabei sehr schwer. Der Chinese wollte ihn mit seinem Schuner nach Herbertshöhe ins Lazarett schaffen, aber Manin selbst und seine Verwandten weigerten sich. Als die „Möwe“ zum zweiten Male nach King kam, etwa 14 Tage nach dem Unfall, lag er mit Wundstarrkrampf hoffnungslos darnieder und starb am nächsten Morgen. Man schaffte
') Breitbeinig stellen tur palo palo, abnabeln litoki na manduisso, Nabelschnur kambu- tumbu, Nachgeburt ngab = Blut.
2 ) Auf der Gazelle-Halbinsel erfolgt die Geburt nach Danks J. A. J. VIII. p. 292, indem das Weib breitbeinig steht, nach Pfeil p. 17, indem sie kniet, nach Parkinson a. a. 0. p. 93, indem sie im Freien, nach Hahl a. a. 0. p. 80, indem sie im Hause liegt. Soviel Köpfe soviel Darstellungen. — Ebenda vgl. auch über die Vorgänge nach der Geburt.
3 ) Ich sah zwei, die erst wenige Tage alt waren.
4 ) Abgesehen von ganz belanglosen Kleinigkeiten.
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