Zeitrechnung und Überlieferung.
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(Herbertshöhe) fahren zu dürfen, wo er seine Freunde besuchen wollte. Montag kamen wir zurück und ankerten südlich von King. Dienstag und Mittwoch blieb er bei unserm neuen Ankerplätze, wo er sich mit einigen anderen Leuten am Waldrande ein notdürftiges Regendach geflochten hatte, rauchend, fischend, plaudernd, schlafend oder sich sonnend. Donnerstag ruderte er nach Kait, tanzte dort die ganze Nacht, ruderte Freitag früh nach King, begleitete mich im Dorfe, schlief in der Dampfpinnaß, verließ diese mit mir in Kait und folgte mir gegen Abend durch den Wald noch südlich bis zum Ankerplätze der „Möwe“. Kein Wunder, daß ihm King besser gefiel als Samoa (s. S. 22) oder Kökopo! — Amhoiwoss in Laklak, der einzige mannbare Junggeselle an der ganzen Küste, besaß einen Kahn, der gänzlich verrottet und nicht mehr zu gebrauchen war. „Warum machst du dir nicht einen neuen?“
„0 me too much lazy!“ (ich bin zu faul.)
Als ich lachte, errötete er, versicherte wie zu seiner Rechtfertigung, daß ihm 2 Felder gehörten und lachte dann mit. Seine Faulheit war auch dor Grund für sein Junggesellentum (s. S. 109). — In Lamassa nahmen vor 5 Leute an Bord, die bei der schwierigen Vermessungsarbeit am Kap St. Georg als Träger dienen sollten. Als Tompuan sie mir mitgah, bat er mich, indem er meine Rechte in seine beiden Hände einschloß: Docta you look out belong hoy belong me — du kümmerst dich um meine Burschen. Am Tage bevor wir sie wieder auf Lamassa absetzten, hatte ich folgende Unterhaltung mit ihnen:
„You like ,Möwe‘?“ — „No!“
„What name (warum) no ?“ — „Too much work!“
„But plenty kaikai (essen)!“ — „Yes, but me (wir) like liklik work, lik- lik (wenig) kaikai! “
Übersetzung:
„Seid ihr gern auf der ,Möwo £ ?“ — „Nein.“ — „Warum nicht?“
„Wir müssen zu viel arbeiten.“ — „Aber ihr bekommt auch viel zu essen.“ „Das stimmt schon, aber wir wollen lieber wenig arbeiten und wenig essen.“ Man darf billig bezweifeln, daß Leute mit einer solchen Lebensanschauung jemals in unserm Sinne brauchbare Arbeiter ahgeben werden.
Zeitrechnung und Überlieferung.
Als gewöhnliche Zeitbestimmung dient ein Mondumlauf. Ob Jahre bekannt sind, etwa nach Taro-Ernten oder in ähnlicher Weise berechnet, vermochte ich nicht festzustellen. Längere Zeiträume werden mit Hülfe von Schweinskiefern bestimmt. Bei allen festlichen Gelegenheiten wird ein Schwein geschlachtet und der skelettierte Kiefer im Junggcsellenhause (s. S. 112) aufgehängt. Dann erinnert man sich: das und das ereignete sich, als dieses Schwein geschlachtet wurde. Der Kalender eines Junggcsellenhauses in Kalil bestand aus 130 Schweinokiefern, 4 ganzen Schweineschädeln, 8 Fischschädeln und verschiedenen Schweins- schenkcln und Schulterblättern. Stäbe, worauf der Ablauf eines Mondes durch einen Kerbschnitt bezeichnet wird, wie sic z. B. hei den Schiffs- und Plantagen-