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Neu-Mecklenburg (Bismarck-Archipel) : d. Küste von Umuddu bis Kap St. Georg ; Forschungsergebnisse bei d. Vermessungsfahrten von S. M. S. Möwe im Jahre 1904 ; mit 10 Taf., 3 Noten-Beil., zahlr. Abb. / hrsg. von Emil Stephan und Fritz Graebner
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Neu-Mecldenburg.

ziemlich kompliziert zu sein. Sicher konstatiert werden konnte nur, so berichtet Dr. Studer, der Gürtel fon Korallenkalk, welcher die ganze Insel umzieht und der eine von Ost nach West an Intensität abnehmende Hebung bezeugt. Eine Zentralkette von Granit scheint die Insel der Länge nach zu durchziehen und an ihn sich Diabase anzulehnen. Verschiedene Spuren neuerer vulkanischer Wirkungen fanden sich fast an allen Plätzen.

Der Carteret-Hafen zeigte einen von den anderen Punkten wesentlich ver­schiedenen Charakter. Derselbe ist ringsum von hohen, dicht bewaldeten Bergen umgeben, deren höhere Gipfel eine Kugelform tragen. Das Gestein längs der Küste und das der Inseln, welche im Hafeneingange liegen, besteht aus rezentem Korallenkalk, der sich an der Nordwestecke des Hafens bis 60 m hoch verfolgen ließ. Einige wenige Gerolle, welche in dem weißen Sande am Strande lagen, waren haselnußgroße Rollsteine von einem roten porphyrartigen Gestein mit violetter Grundmasse und roten Krystallon oder grüner Grundmasse mit weißen Krystallen, andere doleritartig, blasig, braun, mit weißen Einlagerungen, ein grauer tonig-sandiger Kalk. Am Sulpliur-Hafen fand sich als Geröll eines ein­mündenden Baches ein feiner Sandstein aus Granitdetritus neben den zahlreichen Kalkgeröllen.

Im Carteret-Hafen entspringen nicht nur aus dem Korallensandstrand, sondern sogar auf dem Meeresboden unter dem Seewasser einige kleine Süßwasserquellen, welche aufsteigend das Seewasser mit einer Schicht süßen Wassers bedecken.

Auch in Irish Cove fand sich eine Süß wasserquelle im Meere. Nördlich von Kalil liegt nahe am Strande ein teilweise eingestürzter Krater, doch bot sich keine Gelegenheit, ihn näher zu untersuchen. Am 14. August 1904, als die Möwe bei Kalil vor Anker lag, trieb um halb zwei Uhr mittags eine mehrere Morgen große Insel aus Bimsteinstücken mit der Strömung nach Süden. Die Stücke wechselten von Kirschkern- bis zu Kindskopfgröße und waren so dicht zusammen­gedrängt, daß man den Eindruck von festem Lande hatte. Von der Dünung aneinander geriehen erzeugten sie ein knirschendes Geräusch, ähnlich dem, wenn man durch Treibeis fährt. Abends kam die Insel zurück und setzte mit dem Strome wieder nordwärts. Der Bimstein war nicht frisch, denn die Stücke waren ganz rundgeschliffen und die größeren waren mit zahlreichen Entenmuscheln) besetzt. Eine solche Bimsteinmasse wurde nur dieses eine mal beobachtet, und es ist wohl kein Zufall, daß es grade an dem Tage zwischen zwei furchtbaren Sturmnächten war, die im St. Georgs-Kanal viel Unheil anrichteten und auch die Möwe in schwere Gefahr brachten.

Flora, Fauna und Klima.

Die Humusschicht ist äußerst dünn. Wenn trotzdem überall undurchdring­licher Urwald in üppiger Fülle gedeiht, so müssen die Baumriesen ihre Wurzeln tief in den losen Korallenboden hineintreiben. Leider fehlte es an Zeit und an den wissenschaftlichen Hülfsmitteln, die Pflanzen- und Tierwelt näher zu

) Lepas anserifora s. Taf. V. 11.