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Neu-Mecklenburg (Bismarck-Archipel) : d. Küste von Umuddu bis Kap St. Georg ; Forschungsergebnisse bei d. Vermessungsfahrten von S. M. S. Möwe im Jahre 1904 ; mit 10 Taf., 3 Noten-Beil., zahlr. Abb. / hrsg. von Emil Stephan und Fritz Graebner
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Geographisches und Geologisches.

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Im Jaliro 1885 übernahm das deutsche Reich die Schutzherrschaft, wie über den nordöstlichen Teil von Ncu-Guinea, so über die vorliegenden Inseln, 1 ) die unter dem NamenBismarclUArchipel zusammengefaßt wurden. Leider be­gnügte man sich nicht damit, für Gebiete, die bisher eines zusammenfassenden Namens entbehrten, einen solchen zu schaffen, sondern man taufte Inseln um, 2 ) die zum Teil seit Jahrhunderten allgemein anerkannte und gebrauchte Namen trugen, ein Verfahren, das nur als wohlgemeinter Unfug zu bezeichnen ist, zu bedauern nicht nur vom Standpunkte des Historikers oder Geographen, sondern auch des Deutschen überhaupt. H. v. Treitschke hat es seinerzeit ein Zeichen des im preußischen Staate lebenden Kraftgefühls genannt, daß man in annek­tierten Gebieten alle äußeren Erinnerungsmale an die frühere Herrschaft be­stehen ließ. So wäre es auch hier ein größerer Beweis von Selbstgefühl ge­wesen, hätte man die alten Namen boibehalten. Sie hätten besser als Bände historischer Darstellung die Tatsache ins Licht gerückt, daß die junge Kolonial­macht sich hier neben der Seekönigin Albion ihren Platz erobert, daß sie ihre Hand auf die Entdeckungen eines Dampior und Carteret gelegt hat. Der Be­sitz von Nou-Pommern und Neu-Mecklenburg ist für uns kein Ruhmestitel; der von Neu-Britannien und Neu-Irland wäre es gewesen. Und dazu nun die un­glückliche Verwirrung, die durch die Umtaufungen in die geographische Nomen­klatur kommt und gekommen ist! Leider ist nicht zu hoffen, daß der Schritt amtlich rückgängig gemacht wird, und so bleibt, um weiterer endloser Sprach­verwirrung vorzubougen, nichts übrig, als sich zu fügen, zumal da die neuen Namen auch in die vom Reichs-Marine-Amt herausgegebenen Seekarten über­nommen worden sind.

Geographisches und Geologisches.

Der Küstenstrich, von dem das vorliegende Buch handelt, erstreckt sich von Umuddu, unter 3° 50' südlicher Breite und 152° 30' östlicher Länge bis zu dem von Carteret entdeckten und benannten Kap St. Georg unter 4° 51' südlicher Breite und 152° 53,5' östlicher Länge.

Die von S. M. S. Möwe zum ersten Mal genau vermessene Küsto weist gegenüber den früheren Aufnahmen erhebliche Verschiedenheiten auf, wie ein Vergleich der deutschen Seekarten 3 ) mit Blatt 27 des Deutschen Kolonialatlasses 4 ) zeigt. Aus der umstehenden Skizze sind die jetzt üblichen Namen der Land­schaften ersichtlich, die zugleich verschiedene Sprachgebiete darstollon. Diese Namen wollo sich der Leser einprägen, da sie im Texte fortwährend gebraucht werden. Topaia, das auf den älteren Karten etwa unserm Kandaß entspricht, ist nur der Name eines größeren Flusses, der bei Kait mündet.

Die Landschaft Laur beginnt noch nördlich von Umuddu, reicht bis Kalil einschließlich und erstreckt sich, im Gegensatz zu den andern Landschaften, von

*) Nachrichten über Kaiser-Wilhelmsland I (1885) p. 2 ff.

J ) a. a. 0. II (1886) p. 1.

3 ) Nr. 214 und 15. Herausgegeben vom Reichs-Marine-Amt.

4 ) Verlag von Dietrich Reimer, Berlin 1903.