66
Weitere Vorschläge
da wir doch eine solch schwere Einbuße an nationaler Kraft erlitten haben, während zugleich die geschichtliche Stunde höchste Anforderungen an uns stellt?
Sprachen wir von einer Fühlungnahme mit den geistigen Arbeitsstätten unserer Bildungsorganisation, die zunächst zu dem Zwecke einer Hilfeleistung von dem vorgeschlagenen neuen Amte zu bewerkstelligen wäre, so mag weiterhin überhaupt von einer «Bergeistigung" der Staatswirklichkeit geredet werden. Es sei die Forderung erhoben, daß der Staat vollkommener als dies bislang der Fall war, aus dem Geistesleben der Nation und auf diesem sich errichte, daß er sich als Willens- und Machtbekundung des Volkes stütze auf die Ergebnisse und Möglichkeiten deutscher Geistesarbeit, so wie sie mannigfach vorliegen. Ein schon immer gefühlter Widerspruch würde damit behoben, die Fundamente des Staats senkten sich tiefer in das Bewußtsein der Nation, in die Gründe unserer Bildung und es eröffnete sich der Weg zu der inneren Einheit von Staat und Volk, die den Grund zu letzter Größe bildet.
Fordern wir für die Geschäfte des Staats eine Anteilnahme und Mitwirkung der nationalen Bildung, so wird damit nicht versucht, die Theorie an die Stelle der Praxis zu setzen, in der der Staat sein Wesen hat, oder der Pedanterie von Doktrinen Rechte einzuräumen, wo die künstlerische Phantasie zur Gestaltung der Wirklichkeit berufen ist. Es wird der Staat sein eigenes Wesen wahren, das eigentümliche Geisteswollen der Nation aber wird ihn zu dem Ziel seiner letzten Aufgabe führen. — Es könnte wohl scheinen, als lägen solche Betrachtungen außerhalb der uns gezogenen Grenze, wir sind jedoch des Glaubens, daß es die geschichtliche Bestimmung des Auslanddeutschtums ist, an unserer politisch-kulturellen Bollendung tätig mitzuwirken durch seine andere geistige Weite und Regsamkeit, wie auch durch seine andere politische Erfahrung.
Oft genug ist es ja neuerdings wiederholt worden, daß uns Deutschen der große Zug fehle in der Erfassung weltpolitischer Aufgaben, daß wir mit unserem Denken und Handeln noch allzusehr in der überkommenen Enge des Gesichtskreises, der Begriffe und der Mittel haften gegenüber älteren Weltvölkern, und man forderte darum mit Recht eine Bolkserziehung für weltpolitisches Denken und damit zugleich eine allgemeine Verbreitung des Berständ-