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Das Auslanddeutschtum und das neue Reich : Betrachtungen und Vorschläge / von Christian F. Weiser
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Weitere Vorschläge

Besäßen doch die Auslanddeutschen, so weit sie ihr Bürgerrecht noch nicht verwirkt, Sitz und Stimme im deutschen Parlament! Das Vaterland hätte den Gewinn. Das größere Deutschland mit seinem umfassenderen Horizont geistiger und materieller Interessen wäre dann allzeit gegen­wärtig in den Verhandlungen, und das deutsche Volkshaus stünde selbstbewußter und gefestigter auf nationalem Grund. Fast scheint es, als müsse man das Vaterland zuerst verlieren, um es völlig zu finden, als gehe uns erst in der Fremde ein Bild von seiner Größe auf, schön und liebenswert, so daß wir, nach der Heimat zurückgewandt, kaum verstehen können, wie wenig man hier das bedenkt, was seinem Heil und Ruhme frommt. Es ist nicht anders; vermöchten die Fortgewanderten mitzubauen an den Mauern des Reiches in der Kraft jener größeren Liebe, die sie in der Fremde empfingen:

Wir machten dich zum größten Land auf Erden,

Wie du das beste bist, o Vaterland!"

Mag der Gedanke einer parlamentarischen Vertretung des Auslanddeutschtums immerhin einer Erwägung wert sein, so scheint es mir, als habe sich eine andere Forderung bereits durch den ganzen Gang unserer Betrachtung als unumgänglich angekündigt. Es war hier immer wieder von einer zusammenfassenden Organisation die Rede, durch die die Angelegenheiten des Auslanddeutschtums mit den hier umschlossenen Aufgaben wahrgenommen werden sollten. Das Auslanddeutschtum erschien uns als ein verkannter Machtfaktor für die Gestaltung unserer Kulturbeziehung zu den anderen Ländern und so auch für die Entwicklung poli­tischer und wirtschaftlicher Stärke. Mir fanden darum, daß es im Interesse des Reiches läge, die hier ruhenden Möglichkeiten zu bedenken und mit entsprechenden Maß­nahmen da einzusehen, wo sich ein Erfolg erwarten ließ. Vielleicht gelangten wir noch am ehesten zum Hiel durch die Schaffung einer Reichsstelle, an der alle Fäden dieses besonderen Interesses zusammenliefen. Es könnte etwa ein neu zu errichtendes Staatssekretariat mit der einheitlichen Verwaltung der vorliegenden Aufgaben betraut werden, das naturgemäß mit dem Auswärtigen Amt, dem Kolonialamt und den Kultusministerien der Bundesstaaten in engster Fühlung stünde; auch dürfte sich ein Verhältnis zu den geistigen Arbeitsstätten unserer Bildungsorganisation als