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Das Auslanddeutschtum und das neue Reich : Betrachtungen und Vorschläge / von Christian F. Weiser
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Der neue Osten

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gehörigen der einzelnen Synodaldistrikte. Da diese Distrikte zum Teil auch klimatisch gänzlich verschiedene Gekürte dar­stellen, so regelte sich auf diesem Wege ganz von selbst jene notwendige Teilung der Wanderbewegung in einen nörd­lichen und südlichen Strom, von der oben gesprochen wurde. Zugleich ist damit auch gesagt, daß den großen über den ganzen Kontinent verbreiteten Kirchen ein nördliches und ein südliches Siedlungsgebiet zur Verfügung gestellt werden müßte.

Doch wir wollten hier ja zuvörderst von unserer Nord- ostmark reden, die für uns als Wanderziel zunächst in Frage kommt. Wird von jenen, die zu der völligen Aufgabe des besetzten Gebietes raten, unter anderem geltend gemacht, die deutsche Bevölkerung dort mache nur einen geringen Bruchteil aus, so zeigt sich von dem neuen Standort aus das Problem in völlig veränderter Gestalt. Bekanntlich hat das Luther­tum an den Balten eine starke Stütze, noch unentwegter aber wird es hochgehalten von der herrschgewaltigen Missouri-Synode und den ihr durch Synodalkonferenz angegliederten Synoden von Ohio, Illinois, Wisconsin und Minnesota. Diese Kirchen umfassen tausende von Gemein­den, und zwar zumeist Farmergemeinden, auch ist die deutsche Sprache seit je von keiner der deutschen protestantischen Kirchen Amerikas so energisch gepflegt worden als gerade von der Missouri-Synode. Schon seit langem ist es nun der Ehrgeiz der «Missourier", in Deutschland bekannt und anerkannt zu werden. So haben sie auch schon vor Zähren versucht, in Sachsen Boden zu fassen. Jetzt stelle man sich vor, dieser großen und ehrgeizigen Kirche würde selbst­verständlich mit den nötigen Vorbehalten und natur­gegebenen Einschränkungen ein beträchtliches Reichs­gebiet zur Kolonisierung und geistlichen Versorgung über­wiesen! Das spornende Ideal dieser Lutheraner wäre, Kur­land zur Hochburg des Luthertums für die ganze Welt zu machen. Damit würde es aber auch zugleich zu einem deutschen Bollwerk gegen Osten. Tatsächlich käme für die Übersiedlung dieser streng lutherischen Gemeinden, falls sie mit ihren Pastoren zugelassen würden, wohl einzig Kur­land in Betracht, das ja, falls es in irgendeiner Form mit Deutschland verbunden würde, dem preußischen Ober- kirchenrat nicht unterstünde, da die preußische Landeskirche bekanntlich auf dem territorialen Stand von 1866 verharrte