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Das Auslanddeutschtum und das neue Reich : Betrachtungen und Vorschläge / von Christian F. Weiser
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Die Stipendiengründung

sucht sind geschäftig, um unser Land eine Mauer zu er­richten, uns von den Märkten der Welt abzuschließen. Noch haben wir Kein Urteil über die Größe der sicheren Einbuße und die noch verbliebenen Möglichkeiten. So viel ist klar, daß es des Einsatzes unserer ganzen Tatkraft und Tüchtig­keit bedarf, um in absehbarer Zeit auch nur annähernd wieder auf die vorige Höhe des wirtschaftlichen Standes zu gelangen, zumal auch die allgemeine Erschlaffung der Kräfte zu überwinden sein wird, wie sie naturgemäß zu erwarten ist nach einem Zeitraum von solch außerordentlicher An­spannung. Unter solchen Umständen wäre es eine unver­antwortliche Torheit, wollten wir nicht die Gelegenheiten bedenken, die sich bei klug bedachtem Vorgehen aus dem über die Erde zerstreuten Deutschtum für die Bewältigung unserer wirtschaftlichen Aufgaben entwickeln ließen.

Und so gelangen wir auf Grund des vorhandenen Not­standes von jedem Punkt der Überlegung aus zu der Forde­rung einer zusammenfassenden Organisation unseres ge­samten Volkstums in der Welt. Da an eine äußerlich­politische Zusammenfassung nicht zu denken ist, kann es sich zunächst nur um eine Organisation geistiger Art handeln, von der wir freilich mit Sicherheit erwarten dürfen, daß sie an zahlreichen Stellen schon sehr bald auch andere als geistige Erfolge zeitigt.

Es sei mir verstattet, bei der Darlegung des besonderen Planes, den ich hiermit der Erwägung empfehle, an dem Punkte persönlicher Erfahrung als Deutsch-Amerikaner zu beginnen, womit keineswegs zum Ausdruck gebracht wer­den soll, daß unsere nächste und vornehmste Sorge den Deutschen der Union zuzuwenden sei, wie viel ich auch persönlich von ihnen erhoffe bei dem kulturellen Austrag zwischen der angelsächsischen und der deutschen Lebens­verfassung und Weltanschauung, und kommt der Theologe zunächst zum Wort, so ist selbstverständlich auch hier von vornherein alle Beschränkung hinwegzudenken.

Man hat das Deutschtum drüben schon lange totgesagt, und es soll auch gar nicht bestritten werden, daß es in immer schnellerem Gange aufgesogen wird, nachdem die Einwande­rung seit etwa 25 Zähren stetig nachgelassen hat, ging doch die deutsche Auswanderungsziffer von nahezu einer Viertel- million im Anfang der achtziger Zahre auf 26 000 zurück in