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Das Auslanddeutschtum und das neue Reich : Betrachtungen und Vorschläge / von Christian F. Weiser
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Deutsche Sachlichkeit

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Welt das Angemessene und Ersprießliche sei. Unsere Diplo­matie und Weltpolitik, wie überhaupt unser Handel und Wandel in der Welt, sehen sich hier einem ebenso eigen­artigen wie schwierigen Problem gegenüber, mit dessen Lösung wir uns ungesäumt befassen müssen, soll eine nationale Tugend uns nicht zum Fallstrick werden.

Wir haben noch einer Einrichtung zu gedenken, die in höchst wirksamer Weise der Förderung des angel­sächsischen Ideales dient. Als bedeutendster Vorkämpfer des englischen Imperialismus und wohl auch als macht­vollste Persönlichkeit, die das Angelsachsentum der neueren Zeit hervorgebracht, hat der englische Finanzmann und Poli­tiker Cecil Nhodes zu gelten. Seinem Vaterland die poli­tische und wirtschaftliche Meltbeherrschung zu sichern und England zu dem bestimmenden Mittelpunkt der Weltkultur zu erheben, war das Ideal seines Lebens. Da er die Deutschen neben den Angelsachsen als ein lebenskräftig aufsteigendes Volk anerkannte, mit dem darum bei der Überlegung der Mittel zu seinem Ziel so oder so zu rechnen war, schloß er sie in seine Pläne ein, und als er im Jähre 1902 in bester Manneskraft starb, hinterließ er der Uni­versität von Oxford einen großen Teil seines ungeheuren Vermögens mit der Bestimmung, daß alljährlich 66 Stipen­dien an die unter Selbstverwaltung stehenden britischen Kolonien zu vergeben seien. Ferner wurde jede der kana­dischen Provinzen, jeder der australischen Staaten, außer­dem Neuseeland, Neufundland, Natal, Jamaika und Bermuda mit je einem jährlichen Stipendium bedacht. Der Kapkolonie wurden vier, Rhodesien drei jährliche Stipendien verliehen. Endlich traf er die Verfügung, daß alljährlich je zwei Stipendien an jeden der 45 Staaten der amerikani­schen Union zu vergeben seien, während das Deutsche Reich mit fünf solcher Stiftungen bedacht wurde, und zwar sollten die Stipendiaten von dem Deutschen Kaiser ausgewählt wer­den. Das einzelne Stipendium besteht in einer Anweisung von jährlich 6000 Mark und berechtigt zu einem vierjährigen Studium an der Universität. Die deutschen Stipendien nehmen allerdings dadurch eine Ausnahmestellung ein, daß der jährliche Betrag um lausend Mark geringer ist. Der Stifter mochte sich sagen, daß damit den Deutschen bei ihrer sparsameren Lebenshaltung genug geschehe. Die deutsche