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Das Auslanddeutschtum und das neue Reich : Betrachtungen und Vorschläge / von Christian F. Weiser
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Deutsche Art

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werden muh. Es ist die Einheit; die Denkeinheit, die Lebenseinheit, die Kultureinheit; das in Wahrhaftigkeit zu Ende gedachte Wesen, zu Ende gelebte Leben, so dah der Kreis des Denkens und Handelns sich jeweils in sich selber schließt: der Mensch und sein Leben eine in sich selbst ge­schlossene Wesenheit, vom Mittelpunkt her erfüllt und belebt mit den Eigenkräften der Tiefe. Und diese Einheit ist gleich­bedeutend mit der Freiheit; denn die Unfreiheit stammt zu einem Teile aus dem Widerspruch. Einheit, Freiheit und Wahrhaftigkeit, sie gehören zusammen und machen das Ideal der deutschen Persönlichkeit aus, die sich auch dergestalt im Staate wiedererleben möchte. Und wie der einzelne aus dem eigensten Wesensmittelpunkte sich zu entfalten strebt, so bestimmen sich für ihn auch Zweck und Ziel der Dinge aus einer Erkenntnis ihres inneren Wesens. Alle Gegeben­heiten der Welt, der wir uns gegenüber befinden, wer­den so auf das Gesetz und Recht ihres eigenen Wesens gestellt, die Begriffe der Gerechtigkeit und Wahrheit, er­halten ihren metaphysisch bestimmten erhabenen Inhalt, und es begründet sich die einzigartige deutsche Sachlichkeit des theoretischen und praktischen Verhaltens. Der Maßstab der Beurteilung und Bewertung, den wir solcherweise ge­winnen, wird aber auch in unserer Hand zugleich zur Masse, mit der wir die Obmacht der Meltdinge über unser Denken und Leben abwehren, die sie allen jenen gegenüber unfehlbar behaupten, die eine Bestimmung aus dem Wesen nicht kennen oder nicht kennen wollen. Mir gelangen somit zur Freiheit gegenüber der äußeren Mannigfaltigkeit, aus deren Herrschaft zum anderen Teile die Unfreiheit sich ergibt. Die Linien einer besonderen Geistesgestalt zeichnen sich ab; die innere Freiheit, die als innere Einheit zu bezeichnen ist, er­scheint als höchster Wert des Lebens und als Ziel der Kultur. Wo auch nur immer deutsches Denken in eigenste Tiefen sich versenkte, immer kam es zu dem gleichen Schlüsse, wie die Worte auch lauten mochten. And zugleich haben wir dadurch die letzte Erkenntnis des griechischen Altertums bei uns aufgenommen und entfaltet. Als Träger eines Mensch- heitsideales mögen wir uns fühlen.

Damit aber stehen wir in schärfstem Gegensatz zu dem Grundbestand der angelsächsischen Zivilisation. Sie ist un­frei und macht unfrei, weil sie das Leben in Widerspruch auseinanderklaffen läßt und weil sie, statt Zweck und Ziel

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