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Das Auslanddeutschtum und das neue Reich : Betrachtungen und Vorschläge / von Christian F. Weiser
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Eine Auseinandersetzung

antrieben ward hier in weitestem Spielraum eine andere Gelegenheit zu vollkommenster Entfaltung gegeben. Und so geschieht es auch, daß gerade in Amerika das Angelsachsen- Lum sich selbst, die Möglichkeiten und die Ziele seines Wesens am lebhaftesten begreift. Ein Amerikaner war es, der kurz vor Kriegsbeginn der Welt verkündete, daß nun­mehr der leuchtende «Tag des Angelsachsen" über die Erde komme als ein Melttag der Freiheit und Gesittung, und seit sich die beiden angelsächsischen Reiche im Kampf gegen uns vereint, wuchs gerade auf amerikanischem Boden das eng­lische Stammesbewuhtsein von dem eigenen Wert und Beruf über alle Maße und überschlug sich in das Groteske selbst- überhebender Anmaßung. Bon den Gestaden Amerikas erhebt sich die göttliche Sonne des neuen Tags, und die Völker alle scheinen «das Licht aus dem Westen" zu grüßen, während Deutschland in der Dämmerung liegt unter einer Wolke des Mißtrauens, der Verachtung und des Hasses. Wir hören die Amerikaner selbst als «Kinder des Lichtes" sich bezeichnen, die wider den «Fürsten der Finsternis" zu Felde ziehen, der in dem deutschen Herrscher leibhaftige Gestalt gewonnen hat. Gleichzeitig unternimmt es ein eng­lischer Schriftsteller, den Sinn des heraufkommenden «angel­sächsischen Tages" zu deuten. Daß die Amerikaner und Engländer gemeinsam die Welt unter ihre Botmäßigkeit bringen, ist das eine, daß sie den Völkern der Erde «eine englische Seele" geben, das andere, größere. Dieses zweite Ziel ist das schimmernde Ideal des angelsächsischen Idealis­mus, und fast scheint es, als stünde es in erreichbarer Nähe) sehen wir doch ein Volk zahlloser Millionen, das heute schon den besten Teil der Erde sich Untertan gemacht, mit dem ganzen Aufgebot geistiger und physischer Macht um dieses eine Ende bemüht. Mit Recht erhob sich darum die Frage unter uns, was es auf sich habe mit dieser «eng­lischen Seele", die der Welt gegeben werden soll. Fand es sich aber, daß die Welt verarmte in dieser Verwandlung, daß wir in eigener Seele ein Gut trugen, dessen wir für uns wie für die Welt nicht entraten können, dann ist ohne Frage die nationale Zusammenfassung unserer ganzen Kraft, eine Organisation unseres besonderen Kulturwillens zum Wider­stand gegen die angelsächsische Vergewaltigung unweiger­liche Pflicht.

Auch unter uns haben ja wohl Dichter und Propheten