v. Diringshofen, die erwähnte Jourdan'sche Landkonzession, welche der Kolo- nisations-Gesellschaft widerrechtlich entzogen war, rückgängig zu machen, erwiesen sich vergeblich. Hierdurch aber verschob sich der Anfangspunkt des der Gesellschaft zur Verfügung stehenden Kolonisationsgebiets am Jtapocü um ein Terrain von 10 000 ün weiter westwärts, und was das Nachtheiligste für die Gesellschaft war, ihr Land lag nun ohne Verbindungsweg fern der zusammenhängenden älteren Ansiedlung, zwischen welche sich auf dem rechten Ufer des Jtapocü die Jourdan'sche Landkonzession drängte, während auf dem linken Ufer die ebenfalls noch unbesiedelten Ländereien der Herzöge von Chartres und Penthisvre liegen.
Herr v. Diringshofen mußte daher zur Aufnahme der ersten Einwanderer eine Anzahl Kolonieplätze in dem Terrain zwischen den Flüssen Novo und Humboldt, als dem der besiedelten Kolonieregion zunächst belegenen Punkt, vermessen lassen. Hier wurden die ersten Kolonisten angesiedelt, indem sie auf dem Jtapocü mit Kanoas bis zum Einwandererhause am Rio Novo in der jetzigen Ortschaft Humboldt geschafft wurden, was die Kolonisation erheblich erschwerte und vertheuerte.
3. Die Straßenarbeiten zur Erschließung des Kolonisationsgebiets.
Nachdem Herr Sellin in Joinville angekommen war, organisierte er zunächst den Kolonisationsdienst und ernannte Herrn A. von Diringshofen zum Inspektor des am oberen Jtapocü zu begründenden Koloniebezirkes, wo bereits die ersten Einwanderer angesiedelt waren.
Als nächste Aufgabe der Kolonisation erkannte Herr Sellin sofort die Herstellung einer Fahrstraße zur Verbindung der neuen Kolonie mit dem bewohnten Theil des Jtapocüthals, da der Wasserweg wegen der vielen Stromschnellen des Flusses außerordentlich beschwerlich und kostspielig war, die erste Bedingung für die Entwicklung einer Kolonie aber gute Verbindungswege sind.
Der nächste und beste Weg wäre auf dem Südufer des Flusses, als der Sonnenseite, anzulegen gewesen; allein derselbe hätte durch die Landkonzession des Coronel Jourdan, der sich der neuen Gesellschaft gegenüber direkt feindselig zeigte, geführt; so blieb nichts übrig, als die Straße durch die Ländereien der Herzöge von Chartres und Penthisvre am linken Jtapocü- ufer zu legen.
Da auch diese Ländereien ohne Straße überhaupt nicht zu erschließen gewesen wären, so erklärte sich Herr Brüstlein, der Vertreter der Herzöge, bereit, zu den Baukosten 400 Milr. pro Kilometer beitragen zu wollen.
Die Leitung des Straßenbaus übernahm Herr Giesccke, der am 17. Juli 1897 als Ingenieur der Gesellschaft engagirt war. Für die auszuführenden Messungsarbeiten und Straßenbauten war ihm der schon vom Kolonisations-Verein von 1849 angestellt gewesene Landmesser, Herr Eduard Kriesch, beigegeben.
Der Straßenbau begann am ersten November 1897 am Ribeirso Funil, wo der letzte Kolonist von Herrn Brüstlein angesiedelt war, so daß also bis dorthin die Fertigstellung der Straße allein auf seine Rechnung kam.