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standen — wie es heißt, war der damalige Bundespräsident Prudente de Moraes sogar sein Compadre (Gevatter» — bereitwilligst Gehör und übte von dort aus auf die Staatsregierung von Sta, Catharina, in deren leitenden Kreisen Wohl auch ähnliche Befürchtungen herrschten, einen Druck dahin aus, dak sie dem Coronet Jourdan die nachgesuchte Konzession ertheilte."
Erwähnt sei hier kurz, daß die Jourdan'sche Landconzession seitdem auf das belgische Bankhaus Pecher L Co. in Rio übergegangen ist, welches sie u. A. auch der Hanseatischen Kolonisations - Gesellschaft zum Kauf angeboten hat.
2 Die Kanseatische Kokonisationsgesellschaft m. b. K. und die einleitenden Schritte zur Kolonisation.
Der Aufsichtsrat dieser Gesellschaft konstituiere sich am 15. Mai 1897 und wählte zu seinem Vorsitzenden den Herrn Rechtsanwalt Dr. sur. Scharlach in Hamburg. Zu Geschäftsführern wurden die Herren C. Fabri und Assessor Hammacher ernannt. An Stelle des Letzteren trat später Herr v. Gerhardt, der aber schon am 31. Dezember 1898 gleichzeitig mit Herrn Fabri wieder ausschied, worauf die Herren Ph. Doerck und Mörsch die Geschäftsführung übernahmen.
Als Generalbevollmächtigter der Gesellschaft in Brasilien wurde am 21. Juni 1897 Herr A. W. Sellin ernannt, der durch seine langjährige Thätigkeit als Koloniedirektor in Rio Grande do Sul und durch seine Schriften über Kolonisations- und Auswanderungswesen, besonders aber durch sein auch ins Portugiesische übersetztes Werk „Das Kaiserreich Brasilien" weiteren Kreisen bekannt geworden sein dürfte. Er hat neuerdings die Geschäftsleitung in Hamburg übernommen, während Herr Ph. Doerck der Kolonisation in Brasilien vorsteht. Herr Sellin begab sich Anfangs Juli 1897 nach Rio de Janeiro, um dort mit dem Minister der öffentlichen Bauten, Herrn Dr. Murtinho, sowie den Staatsdeputierten von Sta. Catharina und Herrn Dr. Krauel, dem Gesandten des deutschen Reichs, persönliche Beziehungen anzuknüpfen. Bei dieser Gelegenheit mußte er sich überzeugen, daß für die Hanseatische Kolonisationsgesellschaft nicht die mindeste Aussicht vorhanden war, von der Bundesregierung irgend wie, sei es für Straßenbamen oder sonstige Arbeiten, subventionirt zu werden.
Auch die Staatsregierung in Florianopolis lDesterro), wohin sich Herr Sellin von Rio de Janeiro aus begeben hatte, verhielt sich in dieser Beziehung durchaus abweisend. Sie trug aber keinerlei Bedenken, den Fabri'schen Kontrakt vom 28. Mai 1895 auf die Hanseatische Kolonisations-Gesellschaft übertragen zu lassen. Die Uebertragung erfolgte dann am 26. August 1897.
Inzwischen war der bisherige Administrator des Hamburger Kolonisationsvereins von 1849, Herr A. von Diringshofen, von Hamburg aus beauftragt, für die Unterbringung von Kolonisten auf den Ländereien der Gesellschaft am oberen Jtapocü die nöthigen Vorkehrungen zu treffen. Derselbe ließ zunächst den schon vorhandenen Einwandererschuppen am Jtapocüsinho gründlich repariren, und zwei neue Empfangsschuppen am RibeirLo Grande und am Rio Novo, in der heutigen Ortschaft Humboldt bauen. Alle Bemühungen des Herrn