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Deutsches Kolonistenleben im Staate Santa Catharina in Süd-Brasilien / von Hermann Leyfer. Mit einem Vorwort von Albrecht Wilhelm Sellin
Entstehung
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Als Hinderungsgrund für die Inanspruchnahme dieser Kultur wird immer geltend gemacht, daß die reife Baumwolle durch Regen zerstört wird. Allein es sind offenbar nicht genügend Versuche mit der Anpflanzung gemacht worden, und gänzlich unentschieden ist bis heute die Frage geblieben, welche Sorte sich am besten zur Anpflanzung in Sta. Catharina eignen würde.

Gepflanzt wird die Baumwolle vom August bis November und geerntet etwa um sechs Monate später.

Ramie.

Ramie gedeiht hier ganz außerordentlich, ja, wuchert geradezu wie Unkraut und ist, wenn einmal gepflanzt, schwer wieder aus dem Boden zu entfernen. Es fehlt aber jegliche Verwendung und Absatzgelegenheit. Auch hier ist ein Feld für eine zukunftsreiche Industrie.

Die Seide.

In Blumenau und Novo Trento haben Italiener Seidenraupenzucht versucht. Die gewonnene Seide war ausgezeichnet; aber die Seidenraupen kamen nicht recht vorwärts. Man vermuthet, daß der Maulbeerbaum, welcher ungemein üppig wächst, gerade deswegen in seinen Blättern zu wässerig ist. Auch wird die Luft im Küstengebiet als zu feucht und daher nicht zuträglich für die Seidenraupen gehalten.

Es giebt in Brasilien mehrere einheimische Seidenraupenarten (Lom- b>^ai<lsn), die theils auf der Ricinusstaude, theils auf Orangenbäumen leben; doch ist deren Zucht wohl noch nie in rationeller Weise, wenigstens nicbt in größerem Umfang versucht worden.

^dodui'irk.

Die ^Kodara, der hiesige Kürbis, kommt in verschiedenen, meist hart. schaligen Arten vor und trägt ungemein reich. Sie ist fleischiger und nahr­hafter, als der europäische Kürbis und als Mast- und Milchfutter vorzüglich-

Gepflanzt wird die ^dnbnra vom August bis November und geerntet bis in den Winter hinein. Sie verdient alle Aufmerksamkeit des Ansiedlers und sollte gleich mit der ersten Anpflanzung zwischen Mais und Zuckerrohr gepflanzt werden.

Gemüse.

In Südbrasilien wachsen alle Gemüsearten, wie in Deutschland. Die Aussaat geschieht von Ende März bis Anfang Juni. Etwa sechs Wochen nach der Aussaat werden die jungen Pflänzchen verpflanzt. Die Wurzel­gewächse, Mohrrüben, Rettig, Kohlrüben u. s w., verlangen gegrabenes oder gehacktes Land. Alle Kohlarten aber, die sich über der Erde entwickeln, gedeihen sehr gut in frischer Ro^.a. Die Behandlung und Pflege ist dieselbe, wie in Deutschland.

Es giebt eine Art brasilianischen Kohls (oouvo), die an hohem Stengel wächst und nach Abschneiden des Kopfes wieder von frischem ausscblägt. Blätter kann man von ihr das ganze Jahr schneiden; darum ist ihre An­pflanzung sehr zn empfehlen.