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Der Tabak giebt zwar nach dem Abhauen einen Nachwuchs, indem die Stengel unten wieder ausschlagen; doch ist diese Nachernte sehr unsicher, da sie in die Zeit der starken Regengüsse fällt, in welcher die Luft so feucht ist, daß der dann geerntete Tabak nicht trocknet und meist durch Fäulnis; verdirbt.
Ingwer.
Ingwer gedeiht besonders gut auf leichtem, aber humusreichem Boden, wo er in Abständen von 1 Fuß gepflanzt wird. Die Blattstiele mit den lanzettförmigen Blättern werden etwa l'/s Fuß hoch. Seine Wurzeln, die als Ingwer in den Handel kommen, bilden breitgedrückte Knoten mit fingerförmigen Ansätzen. Gepflanzt wird der Ingwer vom August bis in den November und geerntet im Juni und Juli; doch kann man ihn auch zwei Jahre im Felde lassen, wodurch sein Ertrag erhöht wird.
Der Kolonist baut Ingwer weniger zum Verkauf, als zum eignen Bedarf, um das sog. Jngwerbier herzustellen, welches seines angenehm moussirenden Geschmacks wegen an Weißbier erinnert und im Sommer gern getrunken wird.
Ricinus.
Der Anbau dieses im Jtapocü- und Jtajahythal förmlich wuchernden Strauchs lohnt für Ansiedler nicht, so lange nicht durch Errichtung einer Oelmühle für die Verwerthung der Ricinuskerne gesorgt ist.
Dasselbe gilt von den beiden folgenden Pflanzen:
Die Erdnuß, oder ^mviuloim Ii.vi'OMu),
die sehr gut gedeiht, aber nicht im Großen angebaut wird. Geröstet giebt die Erdnuß ein nahrhaftes Naschwerk für Groß und Klein.
Die Sonnenblume,
deren Anbau sehr lohnend sein würde, da sie hier vorzüglich wächst und reichen Ertrag liefert; da aber keine Gelegenheit zur Verwerthung der Körner vorhanden, so kann ihr Anbau als Pflanzung nicht empfohlen werden.
Die Baumwolle.
Baumwolle wird fast nur von Brasilianern angepflanzt, deren Frauen die reife Baumwolle mittels einer mit den Fingern gedrehten Spindel verarbeiten und recht dauerhafte Stoffe für Röcke und Kleider daraus verfertigen. Merkwürdigerweise denken hier unsere deutschen Kolonistenfrauen nicht daran, den Brasilianerinnen oder ihren deutschen Voreltern im Spinnen nachzuabmen.
Soviel Baumwolle, wie für den eigenen Bedarf, sollte gepflanzt und bei den vielen Regentagen verarbeitet werden, da die gekaufte Baumwollware sehr theuer und wenig haltbar ist. Möglich, daß der Anbau von Baumwolle doch noch eine große Zukunft hat, da notorisch das Catharinenser Produkt von vorzüglichster Qualität ist. Auf der zweiten Pariser Weltausstellung erhielt Blumenaner Baumwolle den ersten Preis.