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Deutsches Kolonistenleben im Staate Santa Catharina in Süd-Brasilien / von Hermann Leyfer. Mit einem Vorwort von Albrecht Wilhelm Sellin
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Man läßt die Bäume nicht höher als 68 Fuß wachsen, weil ein höherer Wuchs die Ernte erschwert.

Bezüglich des Düngens und Reinhaltens lassen sich die Kolonisten manche Fehler zu Schulden kommen. Mit den stärkeren Ernten sollte unbe­dingt eine stärkere Düngung, namentlich mit Kalk und künstlichen Phosphaten Hand in Hand gehen; jedenfalls würde dadurch die Lebensdauer der Bäume erhöht.

Mit kOOO Bäumen, welche etwa vier Morgen einnehmen, hat eine kleine Familie hinreichend zu thun. Der Baum trägt durchschnittlich 1 bis l'/s Kilo in seiner Vollkraft; manche Bäume geben aber auch bedeutend mehr.

Ein blühender Kaffeeberg, wenn die Bäumchen im Dezember von den weißen Blüthen wie mit Schnee bedeckt sind, bietet einen prachtvollen Anblick. ^ Reif wird der Kaffee im Juli bis September. Die Beeren sind dann

" dunkelroth und müssen gepflückt werden. Ein Uebelstand ist, daß die Beeren ^ in Sta. Catharina nicht gleichmäßig reisen, sodaß die Pflanzung mehrmals ' durchgepflückt werden muß, was die Ernte sehr erschwert.

I Die Bohnen, welche überreif auf die Erde fallen, geben weniger

I schmackhaften Kaffee.

Is Die gepflückten Bohnen werden in Körben in die Schuppen getragen

und hier etwa 4 Zoll hoch aufeinander geschüttet, um die fleischige Masse der äußeren Schale in Gährung zu bringen, wodurch der Geschmack des Kaffees günstig beeinflußt werden soll. Nach einigen Wochen, während welcher die / Bohnen öfters umgerührt und umgeschaufelt werden müssen, sind sie trocken » und können in einem Stampfklotz abgestampft werden.

Von Vielen wird der Kaffee auch direkt an der Sonne getrocknet.

Man Pflanzt mehrere Sorten Kaffee, deren Vorzüge hier aber noch wenig ausprobirt sind. Der Javakaffee hat den Vortheil, daß seine Bohnen gleichmäßiger reif werden. Mokka und Liberiakaffee werden hier auch gebaut; doch ist der erstere weniger ertragsfähig, als der letztere.

Eine der schlimmsten Plagen für den Kaffeebauer sind die Tragameisen. So manche, manche Pflanzung ist dieser bösen Gesellen wegen aufgegeben worden. Man muß beständig gegen diese Feinde im Kampfe liegen, welche mit Vorliebe die jungen Blätter und Triebe abbeißen und in Stücken fortschleppen.

Die sonstige Pflege der Pflanzung beschränkt sich auf das Reinhalten von Unkraut. Kaum ist ein anderer Baum so empfindlich gegen Unkraut und so dankbar für die Pflege, wie der Kaffee.

Bei Anlegung einer Kaffeepflanzung wählt man für das erste und zweite Jahr eine Zwischenpflanzung von Mais, Bohnen und besonders Aipim, der den jungen Bäumchen Schutz gegen die heißen Sonnenstrahlen giebt. Vielfach wird empfohlen. Schatten spendende Bäume unter die Kaffeebäume zu pflanzen. Wir haben Plantagen gesehen, in welchen dies mit entschiedenem Erfolg geschehen war.

^ Der Tabak.

Der Tabak gedeiht am besten aus mildem Lehmboden, wie ihn das Flußgebiet des Jtapocu und Jtajahy überall in der Nähe der Ufer bietet.

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