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Deutsches Kolonistenleben im Staate Santa Catharina in Süd-Brasilien / von Hermann Leyfer. Mit einem Vorwort von Albrecht Wilhelm Sellin
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Aus dem von dem Zucker abgelaufenen Syrup wird ebenfalls Cacha^a gebrannt. Derselbe wird zu dem Zweck mit der doppelten Menge Wasser versetzt, in Gährung gebracht und wie oben angegeben gebrannt.

Der Kaffeebaum.

Am geeignetsten für eine Kaffeeanpflanzung ist milder Lehmboden: schwerer Thon sagt dem Kaffee nicht zu. Mit Vorliebe wird Kaffee an Berg­abhängen gepflanzt: doch soll man eine zu steile Lage vermeiden, da hier die obere Humusschicht des Bodens durch die starken Regengüsse abgespült und auch die Arbeit sehr erschwert wird. Am besten ist ein sanft ansteigender Hügel, dessen Boden mit seinem Steingeröll durchsetzt ist. Die Kaffeeberge sollen gegen Norden liegen, einmal wegen der stärkeren Sonnenstrahlung und dann auch, weil der Kaffee so Schutz gegen die kalten Südwinde hat.

Man thut auch gut, als natürliche Schutzwand Taquararohr nach der südlichen Windrichtung anzupflanzen.

Bei starken Frösten leiden die Kaffeepflanzungen außerordentlich; manche Ernte ist durch sie verloren gegangen, ja, in einzelnen Jahren sind sogar die Kaffeebäume bis auf die Wurzeln in der Erde erfroren. Man sei daher in der Auswahl des Standorts sorgfältig.

Gewöhnlich pflanzt man kleine, zweijährige Bäumchen, welche alten Pflanzungen entnommen werden. Besser aber ist es, im August oder September ein Samenbeet anzulegen und hier die Pflanzen aus Samen zu ziehen.

Man hackt hierzu die Beete in ausgesucht lockerem, humusreichem Boden, zieht in demselben Furchen in Abständen von etwa 6 Zoll und legt in jede Furche wieder 6 Zoll von einander zwei Kaffeebohnen, welche zuvor von der äußeren, fleischigen Schale befreit werden müssen.

Zum Schutze gegen Sonnenstrahlen und Platzregen fertigt man ein leichtes Gestell, welches mit Palmitenblättern überdeckt wird.

Sind die Pflänzlinge ein Jahr alt, so können sie schon auf ihren Standort gebracht werden: will man sie länger auf den Beeten stehen lassen, so muß man hier eine Lichtung durch Ausziehen der schwächeren Pflanzen vornehmen.

Man Pflanzt die Bäumchen in Verband, d. h. in wechselständigen Reihen, und zwar in Abständen von ca. 2'/s Meter. Die Pflanzlöcher sind sorgfältig und gut 12 Fuß tief und breit auszuhacken und womöglich mit guter Humuserde auszufüllen.

Gewöhnlich pflanzt man die Bäumchen schräg ein, wobei Seitentriebe hochgezogen werden, um den Kaffee strauchartig wachsen zu lassen. Dies erreicht man am besten, wenn man die schon angewachsenen Bäumchen mit der Spitze zur Erde biegt und hier an einen Stock befestigt.

Der Kaffee trägt schon im Alter von drei Jahren; eine lohnende Ernte aber giebt er erst im vierten und fünften Jahre und beginnt seine volle Tragkraft im sechsten und siebenten Jahr.

Wie lange der Baum trägt, das richtet sich nach dem Boden, der Behandlung und Düngung; gewöhnlich schätzt man hier die Tragzeit bei mittlerem Bergboden und ohne Düngung auf 14 Jahre; doch giebt es Kaffeepflanzungen, die bedeutend älter sind und noch immer reich tragen.