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Deutsches Kolonistenleben im Staate Santa Catharina in Süd-Brasilien / von Hermann Leyfer. Mit einem Vorwort von Albrecht Wilhelm Sellin
Entstehung
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Nach dem dritten Monat fängt der Mais an zu blühen und Kolben anzusetzen: im fünften tritt die Reife ein.

Man erkennt diese daran, daß die Blätter gelb und die Stengel und Kolben trocken werden.

Die Fahne, d. h. der mit der Blüthe versehene Theil des Stengels oberhalb des Kolbens und die unteren Blätter kann man nach der Ent­wicklung des Kolbens, so lange sie noch grün sind, abschneiden und als Futter, namentlich für Rindvieh und Pferde, verwerthen Doch muß man die Blätter etwas abwelken lassen, damit sie bei den Thieren nicht Blähungen verursachen.

Häufig knickt man den Mais um, wenn er fast schon reif ist, so daß die Kolben nach unten hängen, entweder weil es an Zeit zum Abnehmen fehlt und man verhüten will, daß Regen in die Kolben dringt, wodurch die Körner stockig werden, bezw. zu keimen beginnen, oder zum Schutz gegen die Papageien, welche besonders in den Ro^as am Rande des Urwaldes dem Mais sehr nachstellen und in ganzen Schaaren die Maisfelder heimsuchen. Im Staate Rio Grande geschieht das Knicken der Stauden, dortBücken" genannt, regelmäßig.

Geerntet wird der Mais, indem man die reifen Kolben von den Stengeln abbricht und sie im Schuppen abblättert und entkernt.

Den Mais aber, welchen man zum eigenen Bedarf behalten will, läßt man besser in den unabgcblätterten Kolben, und bewahrt diese in Bündeln hängend oder auf dem Boden übereinander gelegt auf. Denn der in Körnern auf einander gehäufte Mais stockt leicht und wird schnell von den Würmern zerfressen, während der in den Blättern am Kolben aufbewahrte länger unversehrt bleibt.

Als Durchschnittsernte rechnet man bei gutem Boden auf den Morgen 80 Bund, das Bund zu 64 Kolben. Sechs bis acht solcher Bunde, je nach der Größe der Kolben, geben einen Sack Mais zu 80 Litern oder 60 Kilogramm.

Die Preise für den Mais schwanken sehr, am billigsten Pflegt er im. März bis Anfang Mai zu sein. Der Sack gilt dann häufig nur 4 bis 6 Milreis. Je länger nach der Ernte, desto theurer wird er: doch empfiehlt sich ein langes Aufbewahren für den Kolonisten nicht, denn einmal fehlt es diesem in der Regel an Raum, und dann wird der Mais durch Austrocknen leichter und von Würmern häufig zerfressen.

Die schwarze Bohne.

Die am meisten angebaute Bohnensorte ist die kleine, schwarze Bohne. Man kann sie mit der weiter unten zu behandelnden Mandioca das National­gericht der Brasilianer nennen, welches im feinsten Haushalt, wie in der ärm­lichsten Hütte des Urwaldes nicht fehlen darf. Auch die eingewanderten

deutschen Kolonisten haben sich sehr schnell an die schwarze Bohne gewöhnt,, so daß sie in keiner Kolonistenwirthschaft fehlen wird. Sie bildet den Haupt­bestandtheil des Küchenzettels.

Zwar werden auch andere Bohncnsorten zu Brech- oder Schnittbohnen angebaut, doch wird zum Verkauf fast ausschließlich die schwarze gewählt.