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Deutsches Kolonistenleben im Staate Santa Catharina in Süd-Brasilien / von Hermann Leyfer. Mit einem Vorwort von Albrecht Wilhelm Sellin
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Näher der Hochebene aber und auf den Berghöhen wird der Wald lichter und ähnelt mehr dem deutschen Laubwald.

Beängstigend jedoch wirkt in diesem üppigen, färb- und formenreichen Urwald die Einsamkeit. Nur der helltönende Schrei des Glockenvogels, das Gekreisch der Papageien, das Gekrächze der Tucane oder der Nuf eines Wald­huhns läßt sich dann und wann vernehmen, selten aber nur hört man das fröhliche Gezwitscher eines Singvogels.

Eine besondere Eigenart des brasilianischen Urwaldes im Küstengebiet ist die außerordentliche Mannigfaltigkeit seiner Baumarten. Außer verschiedenen Palmen iJerivn, Jndavü, Ripa u. a > giebt es eine Unzahl verschiedener Laubbäume, deren Namen nicht einmal die Brasilianer alle kennen. An Nutz­hölzern seien angeführt: Araribä, Jpö, Tajauva, Canella, JacarandL, Louro, Ceder, Piquiä, Garuba, Peroba, Canjerana, Urucurana, Sassafras, Oleo, Araoa. Andere Bäume wie die Larangeira, Leiteira, Figueira u. a. sind nur als Brennholz zu verwenden.

Der Wald des Hochlandes ist von diesem Urwald des Küstenstrichs sehr verschieden. Sein wichtigster Baum ist die Araukarie, bras. Pinheiro, deren junge Stämmchen den deutschen Familien den Weihnachtsbaum liefern. Neben dem Pinheiro liefert die Jmbuya, eine Canella-Art lnsotanckra), ein vielfach ver­wandtes, dauerhaftes Nutzholz.

Sehr nützlich für den Kolonisten ist die Palmite, von den Brasilianern Nipa genannt, eine Palme mit 612 Meter hohem, schlankem Stamm, der zu Latten gespalten beim ersten Bau von Wohnhaus und Stallung und zu Zaunlatten gebraucht wird. Zum Dachdecken wird das Blatt der sog. Dachpalme benutzt, die aber in der Nähe des Hochlandes schon nicht mehr gefunden wird.

Eine Schlingpflanze lOip6-pao) liefert die Stricke zum Zaun- und Hausbau, dient als Waschleine rc. Außerdem werden noch aus dem Bast verschiedener Bäume und Schlingpflanzen, die gleich dem 6ipü-pao von den Baumkronen zur Erde Herunterwachsen, Stricke gefertigt.

Jagd und Fischerei.

Die Jagd ist nicht so einträglich, wie sie sich der Einwanderer vorstellt. Dem alten Kolonisten entlockt es alle Mal ein Lächeln, wenn er sieht, wie die Einwanderer alle mit Flinten bewaffnet ankommen, die sie als den unent­behrlichsten Ausrüstungsgegenstand betrachten. Die Jagd ist hier viel müh­samer, als in Deutschland, das Herumkriechen in den weg- und steglosen Bergen, durch das Gestrüpp des Urwaldes ist mehr Arbeit als Vergnügen. Auch hindert das dichte Unterholz den freien Blick und entzieht das Wild dem Jäger, wenn er nicht wie die Eingeborenen, von klein an im Waldlaufen geübt, einen leichten Tritt, feines Gehör und scharfes Auge hat. Zudem ist das Wild viel spärlicher, als in Deutschland, wo es gehegt wird und seine Schonzeit hat, während der Brasilianer zu jeder Zeit im Jahr das angetroffene Wild schießt. Der deutsche Kolonist geht daher nur wenig auf Jagd; doch sind auch unter ihnen Liebhaber, die darüber, wie die meisten Brasilianer, ihre Wirthschaft vernachlässigen.

Einträglicher als die Jagd ist das Bauen von Fallen, welche man aus Stöcken und Palmiten fertigt, die mit Schlingpflanzen zusammengebunden werden.

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