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Deutsches Kolonistenleben im Staate Santa Catharina in Süd-Brasilien / von Hermann Leyfer. Mit einem Vorwort von Albrecht Wilhelm Sellin
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Eine eigenthümliche Erscheinung sind die Wanderameisen, welche plötzlich in unzähligen Massen erscheinen und in die Häuser eindringen. Sie richten aber keinen Schaden an und sind sogar oft willkommen, da sie mit allem Ungeziefer, namentlich den so lästigen Baratten leine große Kakerlakenart, lat. Linktu oriontnlis) gründlich aufräumen. Unangenehm ist es nur, wenn diese Wanderer sich Nachts und bei Regenwetter einstellen. Denn es bleibt diesen Eindringlingen gegenüber nichts anderes übrig, als aus dem Hause zu retiriren und bei einem Nachbar oder in der getrennt vom Hause stehenden Küche oder Stellung auf das Verschwinden der Wanderer zu warten. In der Regel sind sie in einigen Stunden ebenso spurlos verschwunden, wie sie gekommen waren.

Lästig in den Wohnhäusern sind die Fett- und die Zuckerameisen, erstere eine kleine, diese eine größere Ameisenart. Sie gehen namentlich Nachts über die Eßwaaren her. In der Stadt ist Wohl kein Haus, in dem sich nicht die Zuckerameisen eingenistet hätten.

Schädlich sind die Termiten, eine kleine, weißliche Ameisenart, welche sich in Gebäuden einnisten, das Holzwerk zerfressen und große Nester mit harter Kruste bauen Man muß beim Bauen genau Obacht geben, daß man sie nicht etwa schon im Bauholz einschleppt. Empfohlen wird, sie mit Arsenik zu vertilgen, welches man messerspitzenweise in die Nester und einzelne ihrer deutlich sichtbaren Gänge streuen soll.

Eine Pein sind im Sommer die Mücken oder Mosquitos, weniger vielleicht durch ihre Stiche, als durch ihr Summen in der Nähe des Ohres.

Einen stark juckenden Reiz hinterläßt der Stich einer kleinen Mücke, von den Brasilianern Loriokuckc» genannt. Die verbreiterte Plage in den Häusern sind die Baratten oder Kakerlaken. Nichts ist vor ihnen sicher, Bücher, Kleider, Eßwaaren, alles benagen sie. Man wendet gegen sie ein besonderes Gift an, muß aber aufpassen, daß nicht etwa die Hühner die vergifteten Baratten fressen. Wird Borax mit Zucker aufgestellt, so krepiren die Baratten ebenfalls daran und können dann auch ohne Schaden von den Hühnern gefressen werden.

Der Urwald.

An Ueppigkeit der Vegetation, Reichthum der Farben und Mannig­faltigkeit der Sträucher und Bäume kann der deutsche Wald sich nicht mit dem brasilianischen Urwald vergleichen. In der Nähe der Küste und besonders in den Flußthälern ist der Wald ein undurchdringliches Dickicht. Durch Rohr, hohes Farren-Gestrüpp und Schlinggewächse, die wie Stricke und Taue von den höchsten Baumkronen zur Erde Herunterwachsen, muß man sich erst einen Weg mit dem Waldmesser bahnen.

Die Aeste der Bäume sind bedeckt mit Orchideeen, wilden Ananas und anderen Schmarotzerpflanzen, deren Blüthen in den herrlichsten Farben prangen. Palmen, immergrüne Laubbäume, schlankes, bis in die höchsten Baumkronen ragendes Taquararohr führen eingeengt mit einander den Kampf um Licht und Luft. Das Geäst der Bäume setzt bei den meisten daher erst in ziemlicher Höhe an und ist weniger breitkronig, als bei den deutschen Laubbäumen.