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Deutsches Kolonistenleben im Staate Santa Catharina in Süd-Brasilien / von Hermann Leyfer. Mit einem Vorwort von Albrecht Wilhelm Sellin
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Von selbst greifen die Schlangen den Menschen nicht an, sondern beißen nur, wenn sie getreten oder gereizt werden.

Gefürchtet wird auch die Buschspinne. Sie ist groß, schwärzlich mit behaartem Leib und kurzen, dicken Füßen, und Wohl zu unterscheiden von der grau-braunen Barattenspinne mit langen, dünnen Beinen, welche unschädlich ist und durch Vertilgung von allerlei Ungeziefer sich nützlich macht.

Der Biß der Buschspinne wird ungemein schmerzhaft. Der gebissene Körpertheil wird blau und schwillt wie beim Schlangenbiß sofort stark an. Tödtlichen Ausgang aber hat man noch nicht beobachtet. In der Regel ist nach einigen Tagen keine Folge mehr zu verspüren. Zur Linderung der Schmerzen stecke man das gebissene Glied in so heißes Wasser, als man es nur ertragen kann.

Die Ameisen. Mosquitcn. Baratten.

Die größte Plage für den brasilianischen Landwirth sind die Ameisen, und unter ihnen namentlich die sog. Schlepper oder Tragameisen, von denen es zahlreiche Arten giebt. Sie beißen die Blätter und jungen Triebe der Pflanzen und Obstbäume ab und schleppen sie in ihre Nester, woselbst sie daraus eine weißliche, schlammartige Masse herstellen, die ihrer Brüt zur Nahrung dient.

Die häufigste Art der Tragameisen ist die schwarze, welche ihr Nest über der Erde, am liebsten an verfaulten Baumstümpfen, baut. Das Nest mit der Brüt läßt sich leicht mit kochendem Wasser verbrühen. Eine andere Art ihrer Vertilgung ist die, daß man neben dem Nest ein Loch gräbt und dann mit einem Spaten das ausgehobene Rest hineinwirft und mit Boden fest zustampft, wodurch Eier und Brüt zerstört werden.

Mühsamer zu vertilgen sind die Ameisen, deren Nester unter der Erde sind. Nur das Nest einer kleineren, rothen Ameise, welche nicht allzutief in der Erde ihr Nest baut, in welches eine trichterförmige Oeffnung führt, kann ebenfalls leicht durch Hineingießen von kochendem Wasser zerstört werden. Dagegen muß man gegen die Nester der Saüba-Ameise schon besonders konstruirte, in St. Catharina aber noch wenig eingeführte Apparate anwenden, Lurch welche Schwefeldämpfe entwickelt werden, die man in ein Ausgangsloch leitet, während man die andern Ausgänge zustopft.

Fast mühsamer als die Vernichtung der Nester ist das Auffinden der­selben, zumal bei den Nachtschleppern, da die Tragameisen die Blätter von weiten Entfernungen her holen und ihr Gang durch das hohe Gras und Gestrüpp schwer zu verfolgen ist; bisweilen geht er sogar streckenweise unter der Erde.

Der Schaden, den diese Schlepper an den Pflanzungen anrichten, ist ganz bedeutend und hat schon manchen Kolonisten vom Lande vertrieben und ihm das Landleben verleidet. In wenigen Tagen oder Nächten können sie junge Baum- und Gemüsepflanzungen vollständig abgenagt und die Blätter in Stückchen weggeschleppt haben. Ihre Vernichtung ist daher für den Landmann nicht weniger wichtig, wie das Säen, Pflanzen und Reinhalten der Pflanzung.

In den ersten Jahren sind die Ameisen in den neuen Ansiedlungen nicht so häufig, wie nach längerer Bearbeitung.

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