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Die wohlschmeckendsten dieser Hühner sind die Jacutinga, welche im Juli und August in Schaaren von der Terra nach den Urwäldern des Küstengebiets kommen und sich hoch oben auf die Bäume setzen, deren Früchte sie fressen. Sie werden leicht geschossen, denn in neuen Ansiedlungen sind sie noch so wenig scheu, daß sie nicht fortfliegen, wenn eine aus ihrer Mitte getroffen wird. Oft wird von einem Baum nach und nach eine ganze Anzahl heruntergeschossen.
Wasserhühner <8sraoura) kommen in größeren und kleineren Arten vor; sie werden bisweilen den eben aufgegangenen Maispflänzchen schädlich, indem sie dieselben aus dem Boden ziehen, um das keimende Maiskorn abzufressen.
Von den zahlreichen andern Vögeln seien nur erwähnt Habichte, Spechte, Eulen, Reiher, wilde Tauben und wilde Enten, Finken, Meisen, Sperlinge und Kolibris. Unter den Singvögeln ist der beste Sänger der Sabiä. oder Caraponga, eine Drosselart.
Im Allgemeinen zeichnet sich die Vogelwelt durch die Farbenpracht ihres Gefieders aus; aber ihre Sänger kommen den deutschen Singvögeln nicht gleich.
Schlangen.
Gefährlicher als die Raubthiere sind die Schlangen, von denen es mehrere giftige Arten giebt. Besonders gefürchtet sind die Jararaca's, welche in mehreren Arten vertreten sind. Sie werden bis I V» Meter lang und armdick. Kleiner und dünner ist die prächtig roth-schwarz-weiß geringelte Korallenschlange, deren Giftigkeit vielfach bestritten wird.
Unglücksfälle durch Schlangen sind aber nicht viel häufiger, als in Deutschland in Gegenden, wo die Kreuzotter auftritt.
In den Apotheken werden Gegenmittel gegen Schlangenbiß verkauft. Neuerdings will man in Rio Grande do Sul ein unfehlbares Heilmittel, Viborina genannt, erfunden haben. Eingenommen soll dies gegen Schlangenbiß immun machen, eine Behauptung, deren Richtigkeit noch nicht genügend erwiesen zu sein scheint.
Außer den specifischen Schlangenmitteln gebraucht man bei Schlangenbissen Einspritzungen einer Lösung von hypermangansaurem Kali; auch sollen Einreibungen der gebissenen Stelle mit Petroleum vorzüglich wirken. Empfohlen wird ferner die Herbeiführung starken Schwitzens durch heißen Thee.
Die Brasilianer behaupten vielfach, daß Knoblauch schon durch seinen Geruch die Schlangen vertreibe, weshalb sie oft rathen, mit Knoblauch die Füße einzureiben, wenn man an Stellen arbeitet, wo Schlangen vermuthet werden.
Hohe Stiefel schützen ziemlich sicher gegen Schlangenbiß.
Die größte Schlangenart ist die Mauseschlange, welche über 2 Meter lang wird, aber nicht giftig ist und sich durch Vertilgung von Giftschlangen sogar nützlich macht; sie sollte daher nicht getödtet werden.
Man tödtet die Schlangen, wenn sie sich nicht sprungbereit zusammengerollt haben, ziemlich gefahrlos durch einen Schlag mit einem dünnen Stock über die Mitte des Körpers.