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Deutsches Kolonistenleben im Staate Santa Catharina in Süd-Brasilien / von Hermann Leyfer. Mit einem Vorwort von Albrecht Wilhelm Sellin
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Weit unangenehmer als der Sandfloh ist der sogenannte bioko-korns oder diolro 6a porua, von den Deutschen auch Panzerwurm genannt, das Produkt einer Fliege (cmtsnebratz die länger und schlanker wie die gewöhn­liche Fliege ist. Sie legt in die Haut, nahe der Haarwurzeln, ohne daß man es gewahr wird, ein Ei, welches sich in wenigen Tagen zu einer Made ent­wickelt, deren Bewegungen ungemein schmerzhaft sind. Namentlich das Rind­vieh hat von diesem Insekt furchtbar zu leiden, man sieht die Kühe und Ochsen oft ganz bedeckt von geschwürartigen Anschwellungen. Beim Menschen setzt sich das Insekt seltener an und wird dann, nachdem man über die betreffende Stelle ein Pflaster von Pech oder von Seife und Zucker gelegt hat, um das Thier zu ersticken und die Haut zu erweichen, mit leichter Mühe herausgedrückt.

Bugres.

Mit der vorrückenden Kultur sind die Indianer, Bugres (Kollectivname für alle wilden Indianer Brasiliens), welche vor der Anlegung der Kolonie Dona Franeisca auf ihren Jagdzügen bis in das Gebiet der jetzigen Stadt Joinville kamen, immer weiter westwärts von der Küste in das Innere des Landes gedrängt worden. Sie leben in einzelnen Banden von 2030 Mann mit Weibern und Kindern und durchstreifen ohne feste Wohnsitze das noch mit Urwald bedeckte Land.

Man erzählt sich, daß sie im Innern der Urwälder Pflanzungen an­gelegt haben, in denen sie Mais und Mandioca anbauen i doch ist Niemand dort gewesen, der es aus eigener Anschauung bestätigen könnte.

Die Bugres sind mit Bogen, Pfeilen, Lanzen und Keulen bewaffnet, die sie sehr geschickt herzustellen und zu gebrauchen wissen.

Ihre Ueberfälle auf Kolonistenansiedlungen finden regelmäßig in der Mittagstunde gegen 1 Uhr statt. Hierbei zeigen sie eine große Grausamkeit und verschonen nicht Weib noch Kind. Doch sind sie ebenso feige wie grausam, namentlich haben sie vor Schußwaffen eine heillose Angst, ein Flintenschuß genügt, die ganze Bande zu verjagen.

Im Joinvillenser Koloniegebiet sind sie jetzt ganz verschwunden, der letzte Ueberfall, bei dem sie einen alten Kolonisten tödteten, erfolgte vor mehr als 24 Jahren.

Vor vier Jahren verbreitete sich unter den Kolonisten am Jtapocü das Gerücht von der Anwesenheit von Bugres, und furchtsame Gemüther hatten allerhand Anzeichen, ja Bugres selbst, gesehen. Da aber nie ein Ueberfall erfolgte, nimmt man Wohl mit Recht an, daß die Unruhestifter verkappte Brasilianer waren. Auch in der Hansa wollte man im vergangenen Jabre Bugres bemerkt haben: es ist aber Niemandem etwas geschehen, und so wird man auch hier wohl nur Bugre gespielt haben, um den neuen Ansiedlern Furcht einzujagen.

Im Gebiet der auf der Hochebene gelegenen Kolonie Lucena dagegen sind polnische Kolonisten wiederholt von Bugres überfallen und einzelne Familien getödtet worden Ebenso haben sich noch im letzten Jahre auf der Straße von Blumenau nach Curitibanes Bugres gezeigt, welche einen Trupp