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Deutsch-Ostafrika im Weltkriege : wie wir lebten und kämpften / von Heinrich Schnee
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Kapitel I.

Deutsch-Ostafrika vor dem Kriege.

^^ls der Weltkrieg ausbrach, befand sich Deutsch-Ostafrika noch -^hmicht 30 Jahre in deutschem Besitz. Am 27. Februar 1885 war der kaiserliche Schutzbrief erteilt worden, welcher die Erwerbungen des Dr. Carl Peters in Ostafrika unter deutschen Schutz stellte. Am 1. Juli 1890 war der Vertrag zwischen Deutschland und Eng­land geschlossen worden, welcher die Grenzen unseres Schutzgebietes festlegte. In dieser kurzen Spanne Zeit hat deutsche kolonisatorische Arbeit bedeutendes in dem Lande geschaffen. Als wir die Kolonie erwarben, war Deutsch-Ostafrika ein unerschlossenes, größtenteils unbewohntes Land, von dessen Innerem man nicht viel mehr wußte, als daß dort weite Steppen und große Wälder wären und daß es von mehr oder minder wilden Eingeborenenstämmen be­wohnt sei; ferner daß es das Hinterland von Sansibar bildete, wo­hin massenweise ostafrikanische Neger als Sklaven verschleppt wurden. Bei Ausbruch des Weltkrieges war Deutsch-Ostafrika eine vollkom­men erforschte, wohlgeordnete, in blühender wirtschaftlicher und kultureller Entwicklung begriffene Kolonie.

Man bekommt am besten eine Vorstellung von der in wenig mehr als einem Vierteljahrhundert geleisteten kolonisatorischen Arbeit, wenn man den Zustand des Landes beim Anfang dieser Tätigkeit mit dem bei Kriegsbeginn vergleicht.

Als die ersten deutschen Pioniere an der ostafrikanischen Küste landeten, war das ganze große Land, in fast doppelter Ausdehnung des Deutschen Reiches, die Beute beständiger Kämpfe der Einge­borenenstämme untereinander. Nur an der Küste bestand in ge­wissem Umfange eine lockere Herrschaft der Araber vorn benachbarten Sansibar, die hauptsächlich dem Sklavenhandel dienstbar war. Aber selbst bis zur Küste drangen aus dem Inneren die Naubhorden krie­gerischer Stämme, um zu morden, zu plündern und zu rauben. Noch heute erinnern sich ältere Suaheli mit Schaudern jener Zeiten, in denen man selbst in den nahe dem Meeresstrande gelegenen An- siedlungen nicht sicher davor war, von den furchtbaren, weit aus dem Inneren Herabstoßenden Mafit^ überfallen, getötet oder wegge-

' Sammelname für die räuberischen Stämme des Inneren.