das deutsche Kapital auch heute noch merklich zurückhält, so liegt das nicht mehr an der großen Unsicherheit der deutsch-kolonialen Plantagenunternehmungen — nein, es liegt heute daran, daß das Kapital von den bisher erreichten Erfolgen zu wenig weiß und immer noch unter dem Eindrücke der ersten Fehlschläge steht.
Die kolonialen Vereinigungen, die sich die Förderung all- gemein-kolonialer Interessen zur Aufgabe gemacht haben, sollten daher vor allem ihr Augenmerk darauf richten, das deutsche Kapital durch unablässige Hinweise auf die bisher erreichten Erfolge für die kolonialen Plantagen-Unternehmungen immer mehr zu interessieren. Ja, noch mehr! Sie sollten selbst mit fertigen Projekten an das Kapital herantreten, um durch ihr Ansehen das Vertrauen dieser Kreise zu stärken. Heute wo eine endlose Reihe derartiger Unternehmungen auf völlig gesicherten Grundlagen* aufgebaut werden kann, hätte ein solches Vorgehen 1 ) nicht die geringsten Bedenken mehr. Leider hat bisher nur das tatkräftige, aber bedauerlicherweise mit ungenügenden Mitteln ausgerüstete kolonialwirtschaftliche Komitee diesen Weg betreten. Schade, daß dieser sachverständigen, gut geleiteten und positiv schaffenden Korporation nicht die durch die koloniale „Wohlfahrtslotterie“ gewonnenen, ins Reichsschuldbuch eingetragenen, d. h. zur Untätigkeit verdammten und so ihrer eigentlichen Bestimmung entfremdeten Millionen der deutschen Kolonialgesellschaft zur Verfügung stehen.
6. Ausblick in die Zukunft.
Wenn man die Handelsstatistik der Kolonien genauer ansieht und mit den älteren Ausweisen vergleicht, so bemerkt man leicht die Anfänge einer bedeutsamen Verschiebung. Früher waren Kautschuk, Kopra, Palmkerne, Elfenbein, Guano, Kopal und Trepang die hauptsächlichsten Ausfuhrartikel, sämtlich durch — meist rücksichtslose — Ausbeutung der vorhandenen natürlichen Bestände gewonnen, die dadurch der Erschöpfung in längerer oder kürzerer Zeit ausgesetzt wurden. Beim Elfenbein und beim Kautschuk machte sich der Rückgang der Sammelergebnisse bereits fühlbar und führte zu einer Verringerung der Ausfuhr und Verschlechterung der Handelsbilanz der tropischen Kolonien. Man ergriff daher Maßregeln zum Schutze der bedrohten Bestände, ja,
*) Wie ich es in der deutschen Kolonialgesellschaft schon vor mehreren Jahren anregte, als die ersten sicheren Erfolge zu verzeichnen waren.