* Ein weiterer Stein des Anstoßes ist seit Jahren das Prinzip des „Militarismus“ und des „Assessorismus“ für den Unternehmungsgeist Privater gewesen. Von der gesellschaftlichen Exklusivität und den daraus sich ergebenden Reibungen mit der Geschäftswelt nicht zu reden, wird der Regierung zum Vorwurf gemacht, daß ihre aus den Reihen der Militärs und Juristen entnommenen Vertreter nicht das erforderliche Verständnis für die wirtschaftlichen Arbeiten im Schutzgebiet besäßen und daher nicht in der Lage seien, die Interessen der Unternehmer genügend zu berücksichtigen.
In diesem Vorwurfe liegt zweifellos etwas Wahres, und die Regierung ist bestrebt, durch geeignete Vorbildung auch diesen Mangel ihrer Beamten mit der Zeit zu beseitigen. 1 ) Sie hat auch andererseits durch die Schaffung von Gouvernementsbeiräten (im Jahre 1903) eine direkte und ununterbrochene Fühlung zwischen dem Gouvernement und den im Schutzgebiet tätigen Unternehmern hergestellt. Diese beiden Einrichtungen weiter auszubauen, ist gerade auch für den Plantagenbau besonders wichtig. Hauptsächlich kommt es darauf an, die blos beratende Stellung des Gouvernementsbeirates zu verbessern und seine Mitglieder durch Wahlen aus den im Schutzgebiet aufhältlichen Weißen hervorgehen zu lassen. Es ist nicht zu verkennen, daß sich diesen beiden — besonders in Ostafrika und in Südwestafrika hervorgetretenen — Wünschen heute noch mancherlei schwerwiegende Bedenken entgegenstellen. Aber wenn z. Zt. der Plantagenbau für fast alle unsere Schutzgebiete das einzige Sprungbrett der weiteren Entwicklung darstellt, so sollten, meine ich, alle anderen Überlegungen in den Hintergrund treten, wo es gilt, die Interessen der Plantagenbesitzer — wie in Südwestafrika die der Ansiedler — zu fördern.
Wichtiger als alles andere ist aber die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse in den Schutzgebieten, sowohl um die Verbindung der bereits aufgeschlossenen Plantagengebiete mit der Küste zu erleichtern und zu verbilligen, als auch um neue Gebiete der Kultur zu erschließen. Hier liegt das größte Hindernis für eine schnellere Entwicklung unserer Kolonien. Die bedeutsamen Plantagengebiete Ostafrikas im Pare-Gebirge, am Kilimandscharo, in Ukami, im Kondelande, im Zwischenseegebiet u. s. w. müssen brach liegen, solange sie nicht durch Eisenbahnen mit der Küste verbunden sind.
*) Vergl. „Die Kolonialbeamtenlaufbahn“. Deutsche Kol.-Ztg. 1905, S. 251.