Druckschrift 
Die Aussichten des Plantagenbaus in den deutschen Schutzgebieten / von A. Seidel
Entstehung
Seite
66
Einzelbild herunterladen
 

66

* Daß eine derartige Unsicherheit lähmend auf den Unter­nehmungsgeist der Europäer wirken muß, ist selbstverständlich.

Dagegen kann aber nur eine starke Besetzung der Kolonie mit Schutztruppen helfen. Überall wo europäische Betriebe entstehen und deutsche Verwaltung eingerichtet wird, die Gefahr von Reibungen mit den Eingeborenen also erheblich näher gerückt ist, sollte derartig ausreichend für militärische Bedeckung gesorgt werden, daß den Eingeborenen jede Lust zum Revoltieren von vornherein genommen wird. Aufstände verhüten ist leichter als sie niederschlagen, und wenn es auch Geld kostet der Aufstand in Südwestafrika läßt es uns mit unangenehmer Deutlichkeit empfinden, daß die Niederwerfung einer einmal die Bande des Gehorsams abstreifenden Bevölkerung erheblich größere Kosten erfordert, ganz abgesehen von der Kultur, die durch einen langen Krieg vernichtet wird.

Aber kurz vor dem Ausbruch des südwestafrikanischen Auf­standes wurde z. B. im Ausschüsse der deutschen Kolonial- Gesellschaft ernsthaft der Antrag gestellt, die Schutztruppe zu vermindern, da das Schutzgebiet vollkommen friedlich sei. Der Gouverneur selbst lehnte eine ihm angebotene Verstärkung der Truppe mit der gleichen Begründung ab. Eine stärkere Ver­kennung der Situation, in der wir uns in unsern Kolonien befinden, läßt sich kaum denken.

Wir müssen vielmehr als Vorbedingung für eine weitere Aus­breitung des Plantagenbaus fordern, daß die Schutztruppen in Ostafrika wie in Kamerun und Togo besonders in der Nähe der europäischen Niederlassungen erheblich verstärkt werden, und daß auch für die Südseekolonien in dieser Beziehung endlich etwas mehr geschieht, damit die Gefahr von Aufständen in höherem Maße als bisher eingeschränkt wird.

Und da wir einmal bei der Eingeborenenfrage sind, so wollen wir auch gleich noch einem andern Wunsche Ausdruck geben, von dessen Erfüllung gleichfalls der Erfolg der Kolonisationsarbeit im allgemeinen und des Plantagenbaus im besondern zu einem erheblichen Teile mit abhängt.

Es ist zwar selbstverständlich, daß in der sozialen Praxis man mag in der Theorie denken wie man will zwischen den Weißen und den Eingeborenen eine unübersteigbare Schranke auf­gerichtet bleiben muß. Den Farbigen in jeder Beziehung Gleichheit mit dem Weißen vor Gesetz und Sitte zuzugestehen, geht nicht an,