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Die Aussichten des Plantagenbaus in den deutschen Schutzgebieten / von A. Seidel
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heute, daß das nicht anders sein kann, daß beispielsweise von einer Kokospalme nicht vor dem zehnten Jahre eine volle Ernte erwartet werden darf.

Daß das deutsche Kapital trotzdem nur zaghaft an deutsch­koloniale Unternehmungen herangeht, hat vielmehr seinen Grund einmal in der immer noch sehr weitgehenden Unbekanntschaft mit der Natur unserer Schutzgebiete und dann vornehmlich auch in der allgemeinen Rückständigkeit aller Verhältnisse in den Kolonien.

Rastlose Aufklärungsarbeit wird das erstere Hindernis nach und nach immer .mehr verschwinden lassen; viel schwieriger aber steht es um die Beseitigung des zweiten. Denn da haben wir es stets mit einem circulus vitiosus zu tun. Rufen wir z. B. das Kapital auf, Plantagen im Uluguru-Gebirge anzulegen, so verlangt es zunächst eine Verbesserung der Verkehrsverhältnisse durch den Bau einer Eisenbahn. Wollen w'ir aber die Eisenbahn bauen, so verlangt das Kapital wieder den Nachw'eis der Rentabilität, die doch mangels irgendwie erheblicher wirtschaftlicher Tätigkeit der Eingeborenen erst eintreten kann, wenn Plantagen angelegt sind. Denn das ist der allgemeine Charakter unserer Schutzgebiete, daß sie nirgends ein so hohes Maß wirtschaftlicher Entwicklung auf­zuweisen haben, um derartige Anlagen durch den bestehenden Verkehr an Frachten und Menschen genügend zu alimentieren.

Es gilt also zunächst den allgemeinen Kulturstand der Schutz­gebiete nach Möglichkeit zu heben, um die allgemeinen Vor­bedingungen für wirtschaftliche Unternehmungen aller Art, in­sonderheit für Plantagenbetrieb, zu verbessern und dadurch zur Bildung solcher Unternehmungen zu ermutigen.

Da ist es denn vor allem mit dem Schutz von Leben und Eigentum in den Schutzgebieten noch nicht zum Besten beschaffen. Wir vergessen immer, daß wir den Eingeborenen ihr Land mit List oder Gewalt abgenommen haben denn die sogenannten Schutzverträge sind doch im allgemeinen diplomatisches Gaukel­spiel daß wir in ihrem Lande nach Belieben schalten und walten, ihre besten Erwerbsgelegenheiten wie den Sklavenhandel in Ostafrika unterdrücken, ihnen Steuern auflegen, ihre Häupt­linge nach Gutdünken absetzen, sie zu allerlei Arbeitsleistungen zwingen, ihnen unsere Rechtsanschauungen anfnötigen, kurz uns in jeder Weise ihnen unbequem machen und uns in einen Gegensatz