1. Einleitung.
Kurze Uebersicht
über die natürlichen Verhältnisse der Kolonien.
Derzeitiger Stand
der wirtschaftlichen Entwicklung.
Unter den verschiedenartigen Gründen, durch welche das deutsche Volk im Beginn der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zu Kolonialpolitik getrieben worden ist, hat von vornherein die Erwägung eine hervorragende Stelle eingenommen, daß es einen beträchtlichen Gewinn für das Nationalvermögen bedeuten würde, wenn es gelänge, unsern großen Bedarf an kolonialen Genußmitteln und Rohstoffen dereinst aus eigenen Schutzgebieten zu decken.
Um die wirtschaftliche Tragweite dieses Gedankens zu ermessen, genügt es sich zu erinnern, daß wir für koloniale Genußmittel wie Kaffee, Tee, Kakao usw. alljährlich etwa 700 Millionen Mark an das Ausland bezahlen, und daß wir hinsichtlich wichtiger Rohstoffe unserer Industrie wie z. B. der Baumwolle vollständig fremder Wirtschaft und Willkür tributpflichtig sind.
Es ist also eine wohlberechtigte Frage, ob die Kolonien, die wir nunmehr in deutschen Besitz gebracht haben, dieser Absicht wirklich zu entsprechen geeignet sind. Natürlich wird niemand verlangen, daß sie nach so kurzer und noch dazu durch Kriege und Mißgeschick oftmals unterbrochener Entwicklung jetzt schon uns vom Auslande in dieser Beziehung völlig oder wenigstens zum größten Teil unabhängig machen sollten. Aber sie müssen nach nunmehr zwanzig Jahren immerhin erkennen lassen, ob wir Aussicht haben, dies Ziel in absehbarer Zeit zu erreichen oder nicht.
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