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Geschichte der Gründung der Colonie.
600 Sudanesen und Zulus wurden angeworben und 6 Dampfer in deutschen Häfen gechartert.
Mit dem Eintreffen Wißmann's in Sansibar am 31. März 1889 beginnt ein neuer Abschnitt in der Gründung und Wiedereroberung Deutsch-Ostafrikas.
Rückblick auf die Ursachen und den Charakter des Ansstandes.
Im allgemeinen gilt es als ein müßiges Beginnen, über das, was geschehen ist, kluge Betrachtungen anzustellen. Mit dem Unabänderlichen soll man rechnen, nichts weiter. Zugegeben; aber richtig zu rechnen vermag nur derjenige, welcher den Werth der Factoren kennt; und die in Ostafrika wirkenden Factoren, die bisher durch den alltäglichen Verlauf der Dinge verdeckt waren, sind während des Aufstandes und durch ihn in ein grelles Licht getreten. Nicht eine Rechtfertigung der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft soll geschrieben, sondern die naturnothwendige, gesetzmäßige Wirkung von Neuerungen auf starre Verhältnisse dargestellt werden.
Jede Veränderung in den Einrichtungen eines Staates schafft Befriedigte und Unzufriedene; greift ein fremdes Volk ein, so wird die öffentliche Stimmung energischer erregt. Tritt die Veränderung mit absolut zwingender Gewalt ein, sei es als Befreiung von Ungerechtigkeiten und Lasten, sei es unter der Entfaltung imponirender militärischer Kraft, so werden Zufriedene wie Unzufriedene sich fügen; das Fremdartige des Neuen wird allmählich zur unbewußten Gewohnheit im täglichen Leben werden.
Der Abschluß des deutschen Küstenvertrags war an und für sich kein Eingriff in den Staatsorganismus von Sansibar. Die Zollerhebung sollte verpachtet werden, wie dies seit mehrern Jahrzehnten geschehen zwischen dem Sultan und indischen