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Die Landgesellschaften in den deutschen Schutzgebieten : Denkschrift zur Kolonialen Landfrage / von Herbert Jäckel
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Schädigung, also die Frage der Ablösung anlangt, so verzichten wir auf Beteiligung in dieser gänzlich unfruchtbaren Debatte. Es ist vollkommen ausgeschlossen, daß das Reich zu solchem Zwecke die Mittel opfert, die erforderlich wären, um die Gesellschaften zu ent­schädigen. Andrerseits zweifeln wir nach unserm leider so wenig erfreulichen Ergebnis im wirtschaftlichen Teil keinen Augenblick daran, daß die Gesellschaften recht froh wären, wieder zu ihren Gelde und aus ihrem kolonialen Engagement herauszukommen. Wir wüßten aber nicht, wie man es dann noch anfangen wollte, in unsere Schutz­gebiete Kapital zu ziehen.

Ebenso unpraktisch und indiskutabel ist der Vorschlag, den Gesellschaften durch Gesetz ihre Besitzungen zu entreißen. Rechtlich ist hiergegen nichts einzuwenden, denn der souveräne Staat kann natürlich auf gesetzlichem Wege anordnen, was er will. Es fragt sich nur, ob man ihm praktisch diesen Weg empfehlen möchte. Diese Frage ist keine juristische, sondern gehört ins Gebiet der Politik.

§ 33

Schluß: Ergebnisse. Politische Stellungnahme.

I. Wir haben im ersten Teil darzustellen gesucht, daß die Ent­stehung der Landgesellschaften, im Lichte der Geschichte betrachtet, die natürlichste Sache von der Welt war, schlimmsten Falls ein notwendiges Übel, um das unsere Kolonien nicht herumkamen. Zum Teil waren die Landgesellschaften schon früher zur Stelle als der Staat, wir mußten sie also notwendig mit übernehmen. Aber auch, wo wir freigebig in Wege der Konzession öffentlich-rechtlich zu kontrahieren schienen, handelten wir mehr gezwungen als freiwillig. Wir hatten es unternommen, ein Teil der Erdoberfläche zu kolonisieren, der die fünffache Größe unserer Heimat hat nnd noch dazu über die ganze Erde zerstreut ist, wir wollten aber keinen Pfennig riskieren bei diesem aleatorischen Unternehmen. Deshalb mußten wir große Stücke von jener Fläche verschenken, um wenigstens so viel Kapital ins Land zu ziehen, daß wir der Form nach dem Ausland gegenüber als Kolonisatoren auftreten konnten.

Weiter haben wir im historischen Teil beobachtet, wie die ältesten Gesellschaften die fettesten Bissen wegschnappten und die jüngeren immer knapper und knapper gehalten wurden. Auch das ist kein Wunder, denn mit dem Fortschreiten unserer Erfahrung und unserer Tätigkeit wuchs der Wert der Schutzgebiete vor unseren Augen.

Alles das heute zu begreifen ist kein Kunststück. Wie schwer