die Größe der Pflichten, sondern die Größe der Rechte bietet brauchbare Differenzialmerkmale. Diese springen aber am deutlichsten ins Auge, wenn wir uns einfach an die chronologische Reihenfolge halten; die Entwicklung geht deutlich dahin, mit Hingabe von Rechten immer sparsamer umzugehen.
B. Erste Periode
§3
I. Bismarcks Programm 1 )
Bismarcks staatsmännisches Talent war überall da geradezu schrankenlos, wo es sich um auswärtige Angelegenheiten handelte. Nach innen scheiterte seine Leistungsfähigkeit häufig an seinem Willen. Der frühere Konfliktsminister behielt bis an sein Lebensende eine tiefe Abneigung gegen die kurzsichtige »Kompromißpolitik« interessierter Parteien. Man muß überdies daran denken welche großen und schwierigen neuen Aufgaben gerade Ende der 70er und Anfang der 80 Jahre in der deutschen inneren Politik der Lösung harrten, Aufgaben wie die Einführung von Schutzzöllen, das Sozialistengesetz, die Arbeitergesetzgebung. Deshalb ist es erklärlich, wenn Bismarck nur zögernd den gleichzeitig an ihn heran tretenden Wünschen der damaligen Kolonialenthusiasten nachkam. Noch dazu scheiterte sein erster überseeischer Versuch, die sogenannte erste Samoavorlage, am 20. April 1880 an der Engherzigkeit des Reichs- - tags 2 3 ). Deshalb wollte er mit einer Kolonialpolitik, deren Vertretung ihn zu nicht endenden Parlamentsdebatten genötigt haben würde, von Anfang an nichts zu tun haben. Wenig bekannt noch ist seine typische Äußerung in Gegenwart Moritz Büschs in Versailles am 9. Februar 1871 s ): »Ich will auch gar keine Kolonien, die sind bloß zu Versorgungsposten gut. In England sind sie jetzt nichts anderes, in Spanien auch nicht. Und für uns in Deutschland — diese Kolonialgeschichte wäre für uns genau so wie der seidene Zobelpelz in polnischen Adelsfamilien, die keine Hemden haben.«
Dem entsprach es, daß er in mehreren Reichstagsreden 4 )
4 ) Eingehender, doch mit ähnlichem Ergebnis, wird dieser Gegenstand jetzt behandelt bei Herrfurth, Fürst Bismarck und die Kolonialpolitik, 8. Bd. der Geschichte des Fürsten Bismarck in Einzeldarstellungen, herausgegeben von Penzler, Berlin 1909. Die nachstehenden Aufzeichnungen wurden vor dem Erscheinen dieses Werkes gemacht.
2 ) Vergl. hierzu die genauere Darstellung dieser Vorgänge bei Charpentier, Die Entwicklungsgeschichte der Kolonialpolitik des deutschen Reiches, Berlin 1886, S. 7ff., 4Öff.
3 ) Busch, Tagebuchblätter Bd. II, Leipzig 1899, S. 157:
4 ) Beispielsw. 26. 6. 84, Ausgabe der Reden Bismarcks von Philipp Stein (Reclam) Bd. IX, 258. — 26. 1. 89, Bd. XII, 205, 207, 210.
Mitt. d. Gesellsch. f. w. Ausb. N. F. H. 5.
Jäckel, Landgesellschaften in den deutschen Schutzgebieten.
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