A. Die Meeresflora der ostafrikanisehen Küste.
Bis jetzt ist die Meeresflora an der ostafrikanischen Küste noch sehr wenig erforscht; es ist daher nicht möglich, die hier vorkommenden Meeresgewächse nach ihren Standortsverhältnissen anzuordnen, um so weniger, als bis jetzt an der ostafrikanischen Küste noch kein Botaniker, der über die Existenzbedingungen der Meeresalgen genauer unterrichtet gewesen wäre, gesammelt hat. Da aber diese Schilderung der Pflanzenverbreitung in Ostafrika nicht blos ‘den Zweck hat, das Beobachtete übersichtlich zusammenzustellen, sondern auch ganz besonders auf die Lücken in unserem jetzigen Wissen aufmerksam machen und zu weiteren Beobachtungen anregen will, halte ich es für zweckmässig, die wichtigsten Verhältnisse, welche die Verbreitung der Meeresalgen bedingen, kurz zu besprechen.
Die während zweier Jahre im Golf von Neapel auf die Existenzbedingungen und die Verbreitung der Meeresalgen gerichteten Beobachtungen von Prof. Berthold*) haben gezeigt, dass das Vorkommen der dortigen Meeresalgen von verschiedenen Faktoren abhängig ist, welche in derselben oder ähnlicher Weise auch an anderen Meeresküsten wiederkehren; da nun an den ostafrikanischen Küsten eine nicht geringe Anzahl von im Mittelmeer verbreiteten Algen vorkommt, so ist es nützlich, in kurzem auf die wesentlichsten Ergebnisse Berthold’s, soweit sie für jede Meeresküste wärmerer Länder gelten können, hier einzugehen; vielleicht findet auch der eine oder der andere der an (len oslafrikantechen Küsten ansässigen Europäer Gelegenheit, die Existenzbedingungen der dortigen Meerespfianzen genauer festzustellen, als dies bisher geschehen ist.
Ausser dem Klima des ganzen Gebietes und der einzelnen Tiefenschichten sind für die Verbreitung der Meeresgewächse von Bedeutung die Verhältnisse von Ebbe und Fluth und die damit zusammenhängende periodische Emersion von Küstenfiäehen, die Bewegung des Wassers, die Beleuchtungsverhältnisse, die Temperaturverhältnisse, die Zusammensetzung des Wassers, der mit der liefe zunehmende Wasserdruck und die Beschaffenheit des Meeresbettes. Wir wollen uns hier auf eine kurze Besprechung der wichtigsten Faktoren beschränken. Wer nur einigermaassen aufmerksam das Vorkommen der Meerespflanzen beobachtet, dem wird gleich unmittelbar am Meeresniveau die Bedeutung der periodischen Emersion über das Ebbeniveau und der durch die Wellenbewegung bedingten mechanischen Wirkungen klar werden. Wo sich an den Küsten anstehendes Gestein findet, ist dieses gewöhnlich ziemlich weit über die Ebbegrenze hinaus mit Algen besetzt, welche erst oberhalb der Fluthgrenze ganz verschwinden; es sind für diese Zone gewisse Algen charakteristisch,
ein Theil derselben ist mit ihrer Basis etwas unterhalb des Niveaus auf den Felsen befestigt, flattert
am Niveaurand, hebt und senkt sich periodisch mit demselben und mit den in kürzeren Zeiträumen
wiederkehrenden Wellen. An Stellen mit spritzender Brandung und da, wo Schutz vor direkter Be
leuchtung durch die Sonne gegeben ist, gehen manche Arten noch einige Meter über das Fluthnivenu hinaus. Im Ganzen ist aber doch an senkrechten Flächen nur ein schmaler Streifen oberhalb des Ebbeniveaus mit Algenvegetation bedeckt; dagegen können die für die auf tauchende Zone charakteristischen Algen sich über grosse Flächen verbreiten, wenn solche zwischen Ebbe- und Fluthhühe der Küste vorgelagert sind. Unter sonst gleichen Verhältnissen sind für das Vorkommen einzelner Arten Wellenschlag und Beleuchtungsvcrhältnisse von hervorragender Bedeutung; aber auch die Zusammensetzung des Wassers spielt eine Rolle; es empfiehlt sich daher festzustcllen, welche Formen in der
*) G. Bcvthold: Ueber die Veitheilung der Algen im Golf von Neapel. — Mittheilungen der zoolog. Station zu Neapel, 1U. Band, 4. lieft (1882), S. 393—536.
Ostafrika V. Pflanzenwelt A.
I