VORWORT.
In den letzten Jahren war so vielfach, sowohl von den in Deutsch-Ostafrika beschäftigten Beamten und Pflanzern, wie auch von den mit der Flora Afrikas sich beschäftigenden Botanikern Europas das Verlangen nach einer zusammenhängenden Darstellung der Pflanzenwelt Ostafrikas ausgesprochen worden, dass ich es für meine Pflicht hielt, im Verein mit den Beamten des Königl. botanischen Museums und des botanischen Gartens, sowie mit Unterstützung einer Anzahl von Botanikern, die sich fast ständig als freiwillige Mitarbeiter an den Aufgaben des botanischen Museums zu betheiligen pflegen, an eine so grosse Arbeit heranzugehen. Zwar war von dem ausgedehnten Gebiete Deutsch-Ostafrikas und ebenso von den Nachbargebieten erst ein sehr kleiner Bruchtheil genauer erforscht; aber gerade in den letzten Jahren war dem botanischen Museum eine solche luille von Pflanzenmaterial aus verschiedenen Theilen Ostafrikas zugeflossen, dass wir hoffen durften, wenigstens das Gerüst eines künftig weiter auszubauenden Gebäudes fertig zu stellen.
Von dem mit der Flora Afrikas sich beschäftigenden Botaniker, der in den verschiedensten Büchern die Beschreibungen der bereits bekannten Arten aufsuchen muss, wird vor allem ein möglichst vollständiges Verzeichniss der letzteren, womöglich mit Beschreibungen und Standortsangaben, eine vollständige Flora, gewünscht. An eine solche konnten wir aber jetzt nicht denken, da einmal Oliv er’s Flora of tropical Africa in England fortgesetzt wird, andererseits eine viel zu lange Zeit bis zur Vollendung eines mehrbändigen Werkes mit vollständigen Beschreibungen verstrichen wäre. Auch sägte ich mir, dass für den in den botanischen Museen über afrikanischen Pflanzen arbeitenden Botaniker die Literaturnachweise und die Beschreibungen der neuen Arten, wie wir sie in Theil C gegeben haben, genügen, dass der im tropischen Afrika thätige Forscher bei seinen sonstigen Aufgaben sich zunächst mit der Bestimmung der Arten nur wenig befassen kann, dass dagegen für den Forscher, für den in Ostafrika dauernd lebenden Beamten und auch für die Weiterentwickelung der wissenschaftlichen Botanik eine sorgfältigere Beachtung der Standortsverhältnisse noth- wendig ist, als sie bisher in den Florenwerken über Afrika und auch vieler anderer exotischer Länder üblich war. Es ist geradezu unglaublich, wie wenig vielfach selbst von tüchtigen Sammlern und von systematischen Botanikern die Existenzbedingungen der gesammelten und beschriebenen Pflanzen beachtet wurden und wie wenig auch die von den Sammlern gemachten Notizen über die von ihnen bereisten Gebiete bei der Beschreibung der Pflanzen verwerthet werden. Diesem Mangel wollten war möglichst abhelfen und daher haben war, w r o irgend welche zuverlässigen Angaben über die Art des Vorkommens einer Pflanze Vorlagen, dieselben in unserem Verzeichniss aufgeführt.