Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
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Kamerun.

Von schiffbaren Flüssen kann namentlich der Logonfluß für uns wichtig werden, da er jahraus, jahrein für kleine Flußdampser befahrbar ist. Auf dem Schari dagegen leidet die Schiffbarkeit in der Trockenzeit wegen der zahlreichen Sandbänke und der geringen Wassertiese. Auch der Tschadsee ist als Verkehrsstraße wegen der breiten Schilfgürtel, die das offene Wasser absperren, und wegen der sehr geringen Tiefe und der Abgelegenheit kaum benutzbar.

Bezüglich der Verwaltung gehört der südwestliche Teil des Tschadseegebiets noch zur Residentur Garua, der Norden aber und das ganze Logongebiet zu Kusseri. Die ehemaligen Staaten sind im wesentlichen alle geblieben; namentlich haben sich im Gebiete des alten Bornureiches zahlreiche kleinere Herrschaften gebildet. Sie alle haben Tribut zu zahlen, und zwar in Naturalien, besonders in Pferden, Rindern, Fellen und Lebensmitteln. Unter den Heidenstämmen des Musgugebiets bemüht man sich, größere staat­liche Verbände herzustellen, die unter einem verantwortlichen Häuptling stehen, mit dem der Resident verhandeln und dem er seine Befehle erteilen kann. Zur Befestigung der deutschen Herrschaft wurden Posten in Musgum und Bongor angelegt. Der letztere Posten hat die Aufgabe, das deutsche Gebiet vor den räuberischen Anfällen der sklavenjagenden Bagirmileute zu schützen. Musgum ist freilich im letzten Jahre wieder aufgegeben worden.

SchtiHrvort.

Werfen wir zum Schluß noch einen Blick auf die Zukunft unserer Kolonie Kamerun, soweit man sie vorläufig zu überschauen vermag. In den letzten Jahren ist ein erfreulicher Aufschwung des Handels zu verzeichnen, teils wegen der erhöhten Pro­duktion, teils infolge der in Ausführung begriffenen oder geplanten Bahnen. Vor allem blüht jetzt der Kautschukhandel, namentlich in dem Waldlande Südkameruns. Allein, es ist doch fraglich, ob er sich dauernd auf der Höhe halten wird und ob nicht infolge des Raub­baues, dem die reichen Bestände der lüolcxia, slastiea zum Opfer fallen, ein baldiger Rück­gang in der Kautschukausfuhr eintreten muß. Anscheinend hat er bereits in empfind­licher Weise begonnen. Deshalb wird es vor allem notwendig sein, Kautschukpflanzungen für die Zukunft anzulegen. Dabei hat es sich aber gezeigt, daß die einheimische TioKxia verhältnismäßig wenig Kautschuk gibt und in dieser Beziehung den Hensa - Arten Süd­amerikas gegenüber bedeutend im Rückstände ist. Da man nun mit der Hsnsa-Kultur gute Erfahrungen in Kamerun gemacht hat, so denkt man jetzt mehr an die Kultur dieses Baumes als an die der HioKxia.

Was die Aussichten des Kakaobaues betrifft, so schien es fraglich, ob er sehr entwicklungsfähig sei, denn trotz aller Versuche, die man gemacht hat, sei es durch An­pflanzung besserer Kakaosorten, sei es durch Anwendung besserer Präparationsmethoden, blieb die Qualität des Kamerunkakaos nur eine mäßige und die erzielten Preise im all­gemeinen unter dem Durchschnitt. Deshalb hatte man in der letzten Zeit die Kakaoplantagen nicht mehr vergrößert, sich vielmehr der Anpflanzung von Kautschukbäumen gewidmet. In dieser Hinsicht scheint jedoch infolge des Steigens der Kakaopreise und der Verbesse­rung der Qualität durch bessere Präparation eine Besserung eingetreten zu sein. Jeden­falls wird der Anbau jetzt erweitert. Wichtig ist es auch, daß sich die Eingebornen mehr