Allgemeine Übersicht: 6. Fauna.
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Begreiflicherweise hat sich Ostafrika wegen dieses periodisch total veränderten Aussehens seiner meisten Landschaften die widersprechendsten Urteile von Leuten gefallen lassen müssen, die nicht erwägen, daß auch die Tropen ihren Sommer und ihren Winter haben. Der eine, der das Land nur in der grauen Trockenzeit sah, verdammt es als eine „wasserlose Wüste", während der andere, der es in der blütenfrohen und saftgrüueu Regenzeit durchzog, es als ein „allen anderen Tropenländern an Üppigkeit gleichwertiges Gebiet" preist. Die Wahrheit liegt in der Mitte. Einen sicheren Anhalt für die wirtschaftliche Bewertung des Landes kann aber nie die jahreszeitlich veränderliche Physiognomie des Landes geben, sondern nur die dauernde Beschaffenheit, Anordnung uud Gestalt seiuer Vege - t a t i o n s f o r m a t i o n e n, dem: diese sind das organische Erzeugnis aller Zusammenwirkenden geologischen, klimatischen und von Menschen ausgeübten Ursacheu und Einflüsse, die auch alle wirtschaftlichen, auf deu Gewinu und Allbau voll Pslauzeu abzielenden Versuche und Unternehmungen bestimmen müssen.
6. Die Acruncr.
Wenn wir eine Vegetationskarte Afrikas mit einer t i e r g e o g r a p h i s ch e n vergleichen, so füllt uus sofort die Kongruenz der äquatorialen Regionen in die Augen: Den großen Vegetationsformationen entspricht die Verteilung der Fauna. Wie sich Afrika in vier große Pflanzellgeographische Zonen gliedert ^51, Karte 46 u. 49^, voll delleil das westafrikanische, bis an die ostafrikanischen Seen ausgedehnte Waldgebiet uud das große, dieses Waldgebiet im Norden, Osten uud Süden umschließende Savannen- und Steppellgebiet das tropische Afrika einnehmen, so ist Afrika auch tiergeographisch iu vier Subregiouen gegliedert, von denen die w estafrikanische sich ziemlich genau mit dem westafrikanischen Waldgebiet deckt, die oftafrikanische Subregion mit dem vom westlichen Sudän durch das Ober-Nilgebiet uud Ostafrika zum Sambesibecken und uach Niederguinea reichenden Savannen- und Steppenwald. Diese beiden tiergeographischell Snbregionen machen zusammen mit der südafrikanischen, die vom Kap bis an das Smnbesigebiet reicht, die äthiopische Region Afrikas aus. (Vgl. im Anhang die Karte der Tierverbreitung in Afrika.)
Diese weitgeheude Kongruenz der pflanzengeographischen und der tiergeographischell Regionen beruht iu erster Linie auf der biologischen Abhängigkeit der Tiere von der Vegetation, erst in zweiter Linie auf erdgeschichtlichell Vorgäugeu uud auf Tierwanderungen der geologischen Vergangenheit. Kletternde, Feuchtigkeit und Schatten liebende Tiere sind stets für Waldgebiete charakteristisch; Herdelltiere, Lauf- und Grabtiere, Sonne nnd Trockins liebende Tiere immer für offene Gras- uud Buschländer. Dieser „faunistische Charakter" der Tierwelt ist in einem Land wie Ostafrika, wo der allergrößte Teil des Landes von periodisch trockenen Steppen bedeckt ist, recht einfach: Ostafrika hatSteppen - fauna mit Ausnahme der relativ kleinen Waldgebiete.
1) Die Waldfauna ist in Deutsch-Ostafrika in den westlichen Ländern am formell- und zahlreichstell, wo die westafrikanische Hylcia sich in teils zusamlnellhällgendell, teils nur wellig getrennten Waldkomplexen in uuser Schutzgebiet hereiuzieht. Nördlich von Udjidji auf dem gebirgigen Ostrand des Zelltralafrikallischell Grabens bi>5 zum Kiwusee hinauf, ferner auf den großen Kiruugavulkallen uud, durch den WaldzusanlNleilhallg