Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
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Vorwort.

Äie landeskundliche Literatur über unsere deutschen Schutzgebiete ist groß. In Tausen­den von Aufsätzen, Zeitschriften, Broschüren, Denkschriften, Büchern zerstreut, erschwert sie dem, der sich ein getreues Bild vom Ganzen machen will, die Arbeit ungemein; und es ist so viel Spreu unter dem Weizen, daß sich die mühsame Arbeit allzuoft gar nicht lohnt.

Das vorliegende Werk hat es sich zur Aufgabe gesetzt, das brauchbare Material mit der Aritik eigner Landeskenntnis zusammenzutragen, es mit den Resultaten selbständiger Forschung zu vereinen und auf dieser festen Grundlage einen Bau aufzuführen, der unser ganzes Deutsches Kolonialreich umfaßt und zugleich den Ansprüchen auschaulicher Schilde­rung sowie den strengen Forderungen der Wissenschaft genügt. Das Buch will eine jeden: Verständigen verständliche wissenschaftliche Landeskunde im Sinne der modernen Geo­graphie sein, die sich nicht mit der Beschreibung der Dinge, Länder und Menschen begnügt, sondern die Erscheinungen der Erdoberfläche, mit denen es die Geographie zu tun hat, in ihrem ursächlichen Zusammenhang erkennen und verstehen und zu lebendiger Anschauung bringen will. Sie will zeigen, wie auch in unserem Aolonialreich jeder Teil eine natur­bedingte, organische Einheit ist: wie aus der Erdlage und dein Aufbau eines Landes sich sein Alima erklärt, wie das Alima und der Boden den jDflanzenwuchs bestimmen, wie durch diese drei Faktoren die Tierwelt bedingt ist, und wie sie alle zusammen die physische und großenteils auch die psychische Eigenart des Menschen tief beeinflussen. Die Nachwirkungen geschichtlicher Vorgänge sind dabei nicht außer acht gelassen. Aus den gegenseitigen Be­ziehungen und dem Zusammenwirken der Natureigenschaften und der Menschen ergeben sich schließlich die wirtschaftlichen Wirklichkeiten und Möglichkeiten, die wir durch unsere koloniale Arbeit zu erhöhter Entwickelung bringen können.

Ohne eine so verstandene landeskundliche Kenntnis von den Erdräumen, in denen wir kolonial arbeiten wollen, ist unsere koloniale Arbeit in den meisten Fällen ein bloßes Experimentieren. Erst wenn wir die natürlichen Aräfte des Landes und ihre gegenseitige Bedingtheit, ihr Äufeinanderwirken kennen, kann die koloniale und vor allem die kolonial­wirtschaftliche Arbeit planvoll und erfolgreich sein.

So will unser Werk nicht nur der landeskundlichen Wissenschaft, sondern durch diese auch der kolonialen Praxis dienen.

Dem Buch liegt ein Gesamtplan zugrunde, den ich für die methodische Behandlung der Materie aufgestellt und den Herren Mitarbeitern mitgeteilt hatte. So war die Ein­heitlichkeit des Werkes gewährleistet, ohne daß es dem einzelnen Mitarbeiter verwehrt