IV. Oolithisehe und pisolithisehe Kalke aus Deutseh-
Ostafrika.
Von Dr. A. Rothpletz,
a. o. Professor der Geologie an der Königlich Bayrischen Universität zu München.
Die mir zur Untersuchung übergebenen Gesteine gehören alle in die Gruppe der Oolith- und Pisolith-Kalksteine. Die einen bestehen nur aus Oolithen, die durch ein verhältnissmässig zurücktretendes Bindemittel von Calcit und Sand mit einander verbunden sind, bei den anderen liegen Oolithe und Pisolithe durcheinander gemischt in wechselnden gegenseitigen Mengenverhältnissen.
Da sie meist recht klein und manchmal auch etwas umkrystallisirt sind, so ist es nicht immer möglich, diese Oolithe und Pisolithe nur durch makroskopische Untersuchung auseinander zu halten. Es wurden deshalb Dünnschliffe angefertigt. Für die Oolithe ist der gleichzeitig konzentrische und radiäre Aufbau charakteristisch. Im unveränderten Zustande gleichen sie vollkommen den Oolithen des Great Saltlake in Utah, von denen ich nachgewiesen habe, dass sie von kleinen Spaltalgen (Schizophyceen), und zwar von nur einige Tausendstel Millimeter grossen Gleotheca- und Gleocapsa-Arten in der Weise gebildet werden, dass dieselben irgend einen Körper umhüllen und durch fortgesetzte Theilung der Einzelzellen diese Hülle immer dicker wird, wobei die unteren und ältesten Eagen sich mit Kalk inkrustiren und absterben. So ergiebt sich aus diesem Wachsthum einmal die konzentrische Lagenstruktur und aus der Art der Theilung der mehr oder minder deutliche radiäre bezw. vertikale Aufbau von selbst.
Die Pisolithe lassen den radiären Aufbau ganz vermissen, und auch der konzentrische ist minder deutlich und regelmässig. Dahingegen ist die feinkörnige Kalkmasse von mikroskopisch dünnen, vielfach verzweigten Röhrchen durchzogen, die eine Art lockeren Geflechtes um einen PYemdkörper herum bilden. Der anfänglich nur dünne Ueberzug wird allmählich dicker, wobei die unterste Lage ebenfalls inkrustirt und abstirbt, aber die Pflanzenstruktur erhalten bleibt. Entweder besteht sie aus gleichförmigen Zellfäden ohne Querwände, die sich fortgesetzt dichotom verzweigen (Girvanella), oder einzelne der Fadenzweige schwellen zu länglichen oder rundlichen dickeren Endschläuchen an (Sphärocodien). Besonders die letztere Form zeigt grosse Aelmlichkeit mit den lebenden Codiaceen. Für diese Pisolithe ist es charakteristisch, dass sie Fremdkörper (Sandkörner, Schalen und Skelettreste) nicht nur in ihrer Mitte, sondern auch in den mehr peripherischen Theilen umschliessen können. Sie zeigen ausserdem gegenüber den Oolithen grössere Abweichungen von der sphärischen Entwickelung und bedeutendere Dimensionen. Das Gesteinsbindemittel unterscheidet sich von dem mikrokrystallinischen Pflanzenkörper dieser Oolithe und Pisolithe meist leicht durch seine verhältnissmässige Grobkörnigkeit. Es ist aber beachtenswerth, dass die eingeschlossenen Schalenfragmente
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