II. Gutachten über den Charakter der deutseh-ostafrikanisehen Thermen von Madyi ya Weta und dem Taggallala-See und ihre Bedeutung
als Heilmittel.
Erstattet von Dr. Erich Harnack,
O. Ö. Professor der Medizin und Direktor des Künigl. pharmakologischen Instituts der Universität Halle-Wittenberg.
Die im deutsch-ostafrikanischen Kolonialgebiete entdeckten heissen Quellen von Madyi ya Weta und dem Taggallala-See, von wesentlich anderem Charakter, als die schon früher untersuchten und von mir ::: ) begutachteten Schwefelthermen von Amboni und Nyongoni, besitzen nach den mir mitgeteilten. im Laboratorium der Königl. geologischen Landesanstalt und Bergakademie ausgeführten Analysen die folgende chemische Zusammensetzung.
In 1
Liter des Wassers sind enthalten (in
ff):
Bezeichnung
Na» C0 3
n
0
u .1
Ca C0 ;l
Fe CO;,
NaoSOj
K, S0 4
Na CI
Si 0 2
Summe der festen Stoffe
Spec. Gew.
Ileisse Quelle Madyi ya Weta Temperatur:
72 0 C.
BIO 55
0,1 IOO
0,1621
0,0069
0,5500
OH 35 1
0,2917
0,0644
2,4257
1,002
Iieisse Quelle am Taggallala- See. Temperatur: 44 ° C.
2,9625
0,0680
0,1536
0,0077
0,6350
0,4850
M 55 2
0,0576
5-5246
1,005
Demnach handelt es sich hier um Mineralquellen, die (abgesehen von der Kieselsäure) hauptsächlich Carbonate, Sulfate und Chloride enthalten und die der Baineolog ohne Zweifel in die Gruppe der alkalisch-salinischen Wässer, und zwar der alkalisch-salinischen Thermen einreihen wird. Die alkalisch-salinischen Wässer gehören zu den allerwichtigsten Heilquellen, deren Bedeutung sich der allgemeinsten Anerkennung in der Heilkunde erfreut. Unter den alkalisch-salinischen Thermen stehen die weltberühmten Quellen von Karlsbad bisher ohne Rival*) **) da, unter den kalten Quellen dieser Art gemessen Marienbad, Franzensbad, Tarasp und Elster ebenfalls einen festbegründeten Ruf.
Mit den alkalisch-salinischen Thermen Deutsch-Ostafrikas ist demnach dem deutsch-böhmischen Karlsbade ein, wenn auch vorläufig wohl ungefährlicher,
*) Vgl. Deutsches Kolonialblatt IX. 1898, No. 6, und hierunter Anhang- III.
**) Das Bad Bertrich (Rheinprov.) besitzt zwar auch eine warme alkalisch-salinische Quelle, die aber quantitativ, d. h. in Bezug auf den Gehalt an festen Bestandtheilen überhaupt, so sehr hinter Karlsbad zurücksteht, dass sie demselben doch nicht an die .Seite gestellt werden darf.