Verehrte Anwesende!
Stellen Sie sich einmal vor: vor vielen Jahren hätten Sie an der Begründung irgendeines grofsen Aktien-Unternehmens lebhaft teilgenommen, an einer Bank-Gründung, einer Dampfschiffahrt-Gesellschaft oder einer Strafsenbahn-An- lage. Sie seien aber dann durch Ihre persönlichen Geschäfte und durch Verhältnisse verhindert worden, sich an dem Ausbau und an der Leitung dieses Unternehmens zu beteiligen. Sie seien etwa gar durch Ihre eigenen Geschäfte veranlafst worden, in die Ferne zu gehen, fern von dem Sitze jenes grofsen Unternehmens. In der Ferne nun gingen Ihnen fortlaufend Berichte über den Betrieb des Unternehmens zu, an dem Sie nach wie vor lebhaften Anteil nahmen. Gutes und Erfreuliches war aber wenig unter diesen Berichten. Das machte Ihnen Arger und Sorge.
Nach langen Jahren kämen Sie dann einmal wieder an den Ort des Unternehmens; und nun sähen Sie sich die Verhältnisse dort selbst und in der Nähe an. Sie möchten wissen, ob denn alle die Ansichten über die schlechte Sachlage, über die Unfähigkeit der Verwaltung, über die vielen Mifs- griffe und Übelstände wirklich gerechtfertigt seien, ob der Pessimismus in den beteiligten Kreisen wohl begründet sei oder nicht.
Mir scheint, verehrte Anwesende, in einer ganz ähnlichen Lage befinden wir uns heute Abend tatsächlich, wo mir zur Aufgabe gestellt worden ist, einen Rückblick und einen Ausblick auf unsere Kolonialpolitik zu tun. Von den Hansestädten, insbesondere von Hamburg aus, sind erst die Unterlagen für die deutsche Kolonialpolitik geschaffen worden. Hamburgs und Bremens Welthandel haben erst den Grund gelegt, auf dem die deutsche Weltmacht jetzt heranwächst l .
1 Hierzu sei nur u. a. auf das Buch von Dr. Adolf Coppius, »Hamburgs Bedeutung auf dem Gebiete der deutschen Kolonial -
1*